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Thadden, Wiebke von – Tiza im Königsbann | Philipp zwischen Kaiser und König

(1987 | 250 S. und 1990 | 300 S.)

Meinung

Cornelia meint:

Philipp zwischen Kaiser und König

Philip ist der fiktive Sohn eines fiktiven kleinen Grafen unter dem realen Grafen von Thüringen und wird zur Stauferzeit aufs ritterliche Leben vorbereitet. Dabei macht ein Reit-Unfall einen Strich durch die Rechnung. Zwar wird her trotz Hinkebein zu Pferd bis zur Schwertleite gebracht, aber die Heilung im Kloster öffnet ihm die Horizonte eines ganz anderen Geisteslebens. Von Gott allerdings ist da nicht viel die Rede.

Anfangs störte mich das Pubertätsgedudel, was vermutlich für Identifikations-Angebote unter den jugendlichen Lesern sorgen soll. Papa-Witwer macht Politik und Jagd, und der Junge kommt sich wie eine Spielfigur in dessen Machtkalkül vor. Papa kann nicht so gut Liebe zeigen, und erst am Ende kommen sie zusammen. Da ist aber inzwischen schon die Jugendfreundin durch Philipps Selbsthass vergrault worden. Bei alledem steht aber der Märchen-Kaiser Friedlich II als Sehnsuchtsfigur im Mittelpunkt, bis dessen unväterliche Grausamkeit gegenüber seinem zum König manipulierten Sohn Heinrich VII den Philip (retraumatisierend) berührt. Im Konflikt zwischen beiden wird allerlei Edelmut aufgerührt, und am Ende vererbt der an Malaria sterbende Jugendfreund die aus Sizilien entführte Kaisertochter Beatrice. Alles wird gut. Weitere Zutaten sind die  Schwächung der Zentralgewalt im Reich, die Wandlung der ritterlichen Kultur, die armen Rittern zu teuer wird. Vermutlich verschärft auch das die Bedrückung der Hörigen, denn Bauern-Aufstände lassen (Brentwood lässt grüßen) schon Schlimmes ahnen.

Bei alledem bin ich absolut fasziniert von der differenzierten Darstellung historischer Entwicklungen durch die Autorin. Die ist halt Fachfrau, und das mit der Jugendliteratur hat sie schön dazugeschafft. Es macht mir große Freude, hier zu lernen, wo ich nicht (Brentwood) ideologische Verkürzung fürchten muss. Ich habe mir schon das nächste Buch von ihr bestellt.

3 Sterne für Jg

Tiza im Königsbann

Weil mich der Philipp-Band so begeisterte, besorgte ich mir  nun dieses Buch über die Ottonen. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch. Hier geht es um die Tochter eines von den Sachsen niedergemetzelten Slawenfürsten, die aber am Kaiserhof liebevolle Aufnahme findet. Da mischen sich dann die historischen Ereignisse zwischen allen drei Ottonen samt der Vorgeschichte bis Konrad mit Liebesverwirrungen (denn Tiza liebt den Kaiser Otto II, und ihre Freundschaft mit Theophanu und Rettung von Otto III ist ein immerhin-Ersatz, Dudo von Schwaben liebt Tiza, stirbt aber passend an Malaria, Heinrich von Bayern will sie an einen anderen Slawenfürsten verheiraten um eine politische Verbindung zu stiften und eigentlich liebt sie den netten italienischen Bastard, der sie am Ende auch kriegt), die aber, damit sich das ganze durch einen roten Faden verknüpft, durch Prophezeihungen einer heidnischen Hexe auf ihre Schicksalswege gewiesen werden, denen sie mehr oder weniger erfreut dann auch alle folgen. Ich meine, vor lauter Gefühligkeit geht die Aufmerksamkeit für die vielen Details des großartigen Geschichtsbildes ein wenig verloren. Muss sowas sein, um junge Leute bei der Stange zu halten? Denn tatsächlich ist dieses Bild mit erstaunlichem Tiefblick gemalt. Da ist alles drin. Aber halt alles bisschen viel.

2 Sterne für Jg

Info

Erscheinungsjahr20. Jh., 2. Hälfte
Seiten100-300
AutorThadden, Wiebke von
Für Jugendliche:Empfehlung

Kommentare

Kommentar zu: Thadden, Wiebke von – Tiza im Königsbann | Philipp zwischen Kaiser und König.

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