
(um 1950)
Meinung
Cornelia meint:
Orpheus descending, greek tragedy (1957)
Ich habe hierzu eine Interpretation von Barbera gespeichert, der auseinanderlegt, wie Williams hier mit den Mythen von Orpheus und Dionysius spielt und Aristoteles‘ Vorschriften befolgt. Nun gut.
Sicher ist es ein enorm spannendes Stück, in dem Orpheus-Val in eine grausame Südstaatenkleinstadt ein wenig Freundlichkeit und Liebe hineinbringt und schließlich quasi zum Erlöser von Lady wird, die sich mit Hilfe des von ihm in Liebe gezeugten Kindes für den Mord am Vater durch ihren sterbenden Mann rächen und somit auch retten will. Leider schafft dieser Bösewicht es aber, Lady rechtzeitig zu erschießen und die Meute der Südstaatenstadt, den Fremden, allzu Schönen, zu verbrennen. Interessant daran für uns hier und heute sicherlich das Bild einer bigotten und rassistischen Südstaaten-Kleinstadt, der Kälte und Gemeinheit, die darin regiert, der Verdammtheit aller Bewohner in dieser Hölle. Es gibt Motive der Wildheit und Motive der Christlichkeit. Wenn man sich brilliant durch den Schleudergang schleudern lassen möchte – gut. Aber ich sehe keinen Gewinn.
Battle of Angels
Dasselbe Stück, überarbeitet, geklärt. Und irgendwie ergreift mich das ganz anders. Während ich das vorangegangene in meine weder-noch-Liste gepackt hatte, weil ich nicht begriff, wozu, was solls, sehe ich jetzt klarer: Es geht bei den 4 Hauptpersonen um die Suche nach dem Sinn des Lebens, die – nun – leider, allemal schief geht. Denn Val, der eigentlich sein Hirn in der Wüste an die Sterne kratzen lassen will, fällt immer mal einer Lock-Frau zum Opfer, und das bringt ihn in tödliche Gefahren. Myra hofft, aus ihrer Umfangenheit vom Sterben und der Bosheit ihres Mannes befreit zu werden und (mit Val!) ein richtiges Leben zu führen – wird vom Mann erschossen. Caroll, die ein mitleidig-solidarisches Herz für die unterdrückten Neger gezeigt hat, wird von der Gemeinschaft der Ordnungsliebenden ausgeschlossen und kann sich nur durch Verrücktwerden wehren. Und Vee hat, was nur in der ersten Version klar wird, zu viel Lynchereien und Hunde-Zerreißen von Flüchtigen miterlebt, dass sie im religiösen Wahn gelandet ist.
Dolly, Beulah und die Schwestern, andererseits – ja, sie erinnern mich an die Dämonen, die die Seele nach dem Tod ihrer Haushölle zuführen wollen. Sie sehen alles, aber machen alles schlecht. Insofern ist dieses Stück (wenn man beide Versionen kennt) ein metaphysisches Lehrstück.
Jg *
Something unspoken
Ein ungemein eindrucksvoller – literarisch eindrucksvoller Einakter über das Scheitern zweier Frauen, über die sozialen Rollen, die ihr Zusammenleben bestimmen, hinaus ihre lesbische Liebe zu leben. Toll gemacht, große Kunst – und doch für Orthodoxe unergiebig.
Suddenly last Summer (1958)
Dito. Trotz der schlechten Kritiken bin ich überwältigt vom Text und seiner Gewalt. Aber letztlich dreht sich alles um Methoden, eine Homosexualität sittlich zu decken, und ihr Scheitern. Das spielt mit dem Verbotenen und den Mechanismen seiner Ermöglichung und hinterlässt einen geistig schalen Geschmack. Schade um diesen großen Schriftsteller.
Und nach dem, was ich über ihn lese, fürchte ich, dass ich auf die Lektüre seiner Werke in Zukunft verzichten kann.
Info
| Erscheinungsjahr | 20. Jh., 1. Hälfte |
| Seiten | 100-300 |
| Autor | Williams, Tenessee |
| Für Jugendliche: | Ok |

Kommentar zu: Williams, Tenessee – Orpheus steigt herab | Plötzlich letzten sommer u. a..