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Platon – Apologie

Die Apologie des Sokrates ist ein Werk des antiken Philosophen Platon. Es handelt sich um eine literarische Gestaltung der Verteidigungsrede, die Platons Lehrer Sokrates vor dem athenischen Volksgericht hielt, als er im Jahr 399 v. Chr. wegen Asebie und Verführung der Jugend angeklagt war. Wikipedia
 
 

Schleiermacher-Übersetzung (PDF)

Meinung

Cornelia meint:

Ist viel verdaulicher in der Übersetzung von Claudius im Wandsbecker Boten. Ein unbedingtes Muss!

Gegen den Vorwurf der Jugendverderberei und Gottlosigkeit erklärt Sokrates, er sei vom Orakel in Delphi als der Weiseste bezeichnet worden. Weil er das nicht glauben konnte,  denn er weiß ja nur dass er nichts weiß, musste er allen, die weise zu sein meinen, ihr Nichtwissen nachweisen. Er musste dies, schon aus Frömmigkeit dem Gott gegenüber, aber auch aus sozialer Verantwortung, damit nicht falsche Illusionen über die Weisheit der nicht-Weisen die öffentliche Ordnung stören.

So weit so gut und richtig. Das Problem ist nur, dass die Jungen so gerne zugucken, wie ihre Autoritäten demontiert werden. Das ist es, was die Polis gefährdet. Und das ist es auch, was Sokrates in die Nähe der Sophisten bringt. Er selbst ist keiner, denn er bekennt sich stets zur Wahrheit und Tugend als Ziel. Aber indem er jedes Wissen über Tugend widerlegt, lässt er nichts übrig, woran die Jugend sich noch orientieren könnte. Es bleibt nur sein eigenes Daimon-orientiertes existentielles Dasein, das Sokrates nun allerdings zu größter Tapferkeit im Kampf befähigte. Nur lehrt er nicht, wie man so einen Daimon als Führer bekommt.

Richtig ist also, dass Wahrheit und Tugend sich diskursiv nicht finden lassen. Was ihm fehlt ist das Wissen über eine göttliche Wahrheits-Offenbarung im noetischen Wissen.

Für die Praxis ist darum Sokrates‘ negative Weisheit nicht hilfreich (ja schädlich). Darum sind die Aufklärer  – seit Thomas – mit ihrer philosophischen Diskursivitätsversessenheit dabei, immer neue vermeintlich rationale Schein-Weisheiten auf einer als Grundlage anerkannten Offenbarung Gottes zu stipulieren, deren Basis immer neue Befragungen dann peu a peu weggeknabbert haben.

Sokrates‘ Wissen um sein Nichtwissen wird dann bei jenen Nachkommen auf bestimmte Lebensbereiche (Religion) eingegrenzt, in der Hoffnung, wenigstens die Moral rational fassbar zu halten.  Damit werden bestimmte vom Christentum weg-säkularisierte Moralvorstellungen (Menschenrechte) heute zum Religionsersatz mit behaupteter rationaler Würde. Oder es wird der herrschaftsfreie Diskurs als Grundlage stipuliert (d.h. seinerseits idolisiert) und als Erfolg-sichernd geglaubt.

Sokrates ist in vielem für Christen ein Vorbild. Aber in seiner Beschränktheit auf Diskursivität als einzigen Zugang zur Erkenntnis  auch ein großer Irreführer, der das legitime menschliche Streben nach Weisheit ad absurdum führt. Er selbst hat noetisches Wissen von seinem Dämon, aber seine Schüler haben diesen Fokus nicht verstehen können.

 JG+

Info

Erscheinungsjahr400 v. Chr.
Seiten< 100
AutorPlaton

Kommentare

Kommentar zu: Platon – Apologie.

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