
(1920 | 60 S.)
Meinung
Siegreiche Soldaten werden in New York gefeiert. Allerdings scheinen die Soldaten nur die Folie abzugeben, die kurz mal in den Vordergrund schwingt, wenn Edith beim Bruder in der Redaktion einer sozialistischen Zeitung den Aufruhr miterlebt, ansonsten durch frustrierte Soldaten, die keine Bleibe, Essen und Alkohol haben und irgendwie in das Hauptgeschehen als Staffage mit hineingezogen werden. Das Hauptgeschehen betrifft Gordon Sterrrett, der nach Yale-Abschluss sein Leben in die Ecke manövriert hat: die falsche Frau geliebt, seinen Job verloren, von ihr erpresst, und jetzt will er vom alten Kumpel Philip Derr, der im Wohlstand badet, 300 Dollar, um ein neues Leben anzufangen. Derr ist wenig begeistert, weil er aufgrund des bisher Vorgefallenen nicht an eine Änderung der Lebenstüchtigkeit Gordons glaubt. Immerhin schleppt er ihn mit auf einen Yale-Sorority Ball, wo dieser seinen ex-Schwarm Edith wiedertrifft, die grad angefangen hatte, ihn zu lieben und retten zu wollen. Wie sie aber das Ausmaß des Elends mitkriegt, geht sie klug auf Distanz und spart ihre karitativen Bedürfnisse für einen Zukünftigen auf. Gordon wird in seiner Verzweiflung von seiner Problem-Freundin abgefangen, abgeschleppt und merkt am anderen Morgen, dass er jetzt verheiratet sei. Geht hin und erschießt sich.
Grundfrage: Hätte Phil den alten Kumpel retten sollen? Seine Spendierfreude gegenüber einem anderen Kumpel macht deutlich: er hätte das Opfer bringen können. Allerdings: die Chancen standen tatsächlich nicht gut. Man kann sich nun streiten: hat der Mangel an Hilfe Gordon umgebracht, oder war Gordon eh schon nicht mehr zu helfen. Ich habe Fitzgerald im Verdacht, dass er das erstere dachte und das Ganze als Verurteilung des Reichtums ansetzte. Oder genauer: Der besoffene Zug durch die Gemeinde macht die Entscheidung zum Nicht-Helfen im Nachhinein illegitim: Zwar hat Phil durchaus das Recht auf eine Vergnügungsreise (er kam, um mal Ferien zu machen, – also hat er sonst brav gearbeitet), aber wenn das Vergnügen solch puerile Formen annimmt, dann ist mit dieser Art Reichtum etwas nicht in Ordnung, – und das schon rein moralisch und unabhängig von Barmherzigkeit.
Für diese moralischen Fragen wäre die Erzählung für Jugendliche doch interessant.
Jg
Info
Erscheinungsjahr | 20. Jh., 1. Hälfte |
Seiten | < 100 |
Autor | Fitzgerald, F. Scott |
Kommentar zu: Fitzgerald, F. Scott – May Day.