Grillparzer, Franz – Der Traum ein Leben

1834

Meinung

 

Cornelia meint:

Eine Läuterung. Allerdings ziemlich dick aufgetragen. Das bukolische Landleben behagt Rustan nicht mehr, der vom Negerdiener Zanga, einer schwarzen Macht, zum Kriegerdasein mit Hoffnung auf Ruhm und Macht davongelockt wird. Base Mirza und ihr Papa, die auf Rustan dauerhaft gehofft hatten, bleiben traurig zurück. Nun verführt Zanga den Jungen zu einer Untat nach der anderen, stets auf dem Weg der Ruhmsucht. Der anfänglich anständige Widerstand Rustans wird immer schwächer. Um sich das Ansehen des Retters zu geben, ermordet er Osmin, der die Giftschlange mit Pfeil erlegt hatte, ehe Rustan selbst überhaupt in die Gänge gekommen war. Und den König, der Rustan mit seinem Dolch belohnt hatte, aber trotz Ohnmacht irgendwie mitgekriegte, dass da ein anderer beteiligt war, und zwar offenbar grad jener, der mit demselben Dolch in der Brust im Fluss gefunden wurde, muss er natürlich auch um die Ecke bringen. Zwar war ihm inzwischen die Königstochter angetraut worden und er selbst übernimmt als Nachfolger des Verstorbenen die Macht. Aber seine Gewalttaten (das ist der Gewöhnungseffekt, und wohl auch nötig wegen der anhaltenden Gerüchte) erwecken Widerstand, und endlich wird er verjagt und verfolgt. Zanga sagt sich von ihm los, es bleibt Rustan nur der Abgrund.

Dann das Erwachen. Es war alles ein Traum, und sogar der im Traum ermordete Osmin (mit dem es zuvor im Wald einen ganz realen Krach gegeben hatte) besaß einen Orts-bekannt Stummen als Vater, der – war es Traum, war es Wachen? –  ein Lied an Rustan schrieb, ihn zur Besinnung zu bringen. Jedenfalls ist der Junge ziemlich durcheinander und hat begriffen: Bleibe daheim und nähre dich redlich. Das Grausen vor sich selbst hat reinigend gewirkt. Das Ganze ist auch ein sehr romantisches Werk, nur ist das Wunderbare halt an den Traum gebunden. Interessant, was Grillparzer aus Voltaires Vorlage in Weiß und Schwarz gemacht hat!

Ich meine, diese Verführungskraft Zangas – das wäre instruktiv für Jungs.

Jg Jungs                                              

Info

Erscheinungsjahr19. Jh., 1. Hälfte
AutorGrillparzer, Franz

Kommentare

Kommentar zu: Grillparzer, Franz – Der Traum ein Leben.

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