Gedanken zum Film "Paulus, der Apostel Christi" - Deutschsprachige Orthodoxie

Apostel Paulus

Im Film “Paulus, der Apostel Christi” sitzt der heilige Apostel Paulus im Gefängnis Carcer Tullianus in Rom ein, wo er vom heiligen Evangelisten Lukas mittels gefälschter Papiere besucht wird. Er überzeugt Paulus, ihm die Geschichte der Konversion vom unerbittlichen Christenverfolger zum Apostelfürsten zu diktieren. Miteinbezogen in die Handlung ist die junge Gemeinde Roms, im Film angeführt vom heiligen Aquila und seiner Frau, der heiligen Priscilla. Aus ihr gehen unterdessen zahlreiche heilige Märtyrer hervor, von denen einer (vielleicht ein fiktiver) im Film gezeigt wird: ein Junge namens Tarquin hatte freiwillig außerhalb Roms nach Beistand für die verfolgten Christen Roms gesucht, wird aber ermordet aufgefunden. Im Film wird das entsetzte Wehklagen dieser Gemeinde gezeigt. Es bezeichnet den Endpunkt ihrer bisherigen Beschränkung auf Diskussionen darüber, ob es nicht besser wäre, aus Rom zu fliehen, um den Pogromen Neros zu entgehen. Mauritius Gallus, der Gefängnisvorsteher, bezichtigt Paulus der Brandstiftung, die zur Zerstörung halb Roms führte, und der Gouverneur verurteilt ihn nach dem Edikt des Kaisers Nero zum Tode.

Realität: heute

…wenn Leah getötet wird, werde ich sie im Himmel wiedersehen

Schauen wir uns als Kontrast eine Nachricht vom 24. Oktober 2018 an, verbreitet von einer Organisation, die sich für verfolgte Christen in der Welt einsetzt:

‚Rebecca, Leahs 45jährige, unglaublich tapfere Mutter, erzählte […] folgendes über ihre Tochter: “(…) Die Leute von Boko Haram fragten, wer von ihnen eine Ungläubige ist. So bezeichnen sie uns Christen. Leah erhob ihre Hand und sagte, dass sie Christin ist. Sie warnten sie, dass sie „Kalman Shahada“ machen, d.h. ihren Glauben aufgeben muss, um freigelassen zu werden. Sie sagte ihnen jedoch, dass sie ihre Religion nicht aufgeben kann, und so bleibt sie in Gefangenschaft, bis sie ihre Meinung ändert. Einige ihrer Freunde versuchten sie davon zu überzeugen, dass sie sich von ihrer Religion lossagt, damit sie mit ihnen nach Hause zurückkehren kann. Aber sie sagte nein. Es schmerzt mich sehr. Aber ich bin glücklich, denn wenn Leah getötet wird, werde ich sie im Himmel wiedersehen.“ … In einem Video, welches lokale Medien erhalten haben, drohen Terroristen von Boko Haram damit, Leah zu töten, wenn sie ihren Forderungen nicht nachkommt.‘

Was wir über die frühe Kirche wissen…

Ein Film über den heiligen Apostel Paulus sollte auch die Geschichte der frühen Kirche nachzeichnen. Diese Kirche bestand zum überwiegenden Teil aus Männern und Frauen, die bereit waren nicht nur zu beten: “lasst uns uns selbst und einander und unser ganzes Leben Christus, Gott, anbefehlen”, wie es in der Göttlichen Liturgie immer wieder heißt. Diese Menschen waren voll Eifer, dieses Gebet in die Tat umzusetzen. Sie wollten mit Freude alles erdulden, was ihnen angetan würde zur Prüfung ihrer Standhaftigkeit im Glauben. Erfüllt vom Heiligen Geist nahmen sie das Kreuz des Martyriums auf sich und erfuhren dabei stets Hilfe von Christus.

Zuschauer staunten über eine Glaubenstreue, wie sie nur der innere Friede Christi ermöglicht, – ein Friede, der oft auch die wilden Tiere zähmte, sodass sie sich weigerten, die Märtyrer zu zerfleischen. Viele Zuschauer wurden vom Heiligen Geist erfüllt, sodass auch sie lautstark ihren Glauben an den “Gott der Christen” bekannten. So fanden diese, anstatt nach kanonischer Ordnung dreimal in Wasser eingetaucht zu werden, durch die Bluttaufe direkten Zutritt zur siegreichen Kirche aller Heiligen in den Himmeln, während die anderen Gläubigen der kämpfenden Kirche geduldig in Gebet ausharrten. Nur ein kleiner Teil jener zahlreichen heiligen Menschen, welche die Herausforderung des inneren Kampfes annahmen und den Verlockungen eines irdisch angenehmen Lebens durch die Verleugnung Christi siegreich widerstanden, ist uns hier und heute bekannt.

… und was im Film fehlt…

Was der Welt irrsinnig erscheint, ist für den wahren Christen der eigentliche Sinn des Lebens.

Im Film hingegen wird niemand vor die Wahl gestellt, entweder Christus verleugnen und leblose Götzen anbeten oder Folter und leiblichen Tod hinzunehmen. Dadurch wird die Gelegenheit verpasst, die wahre Alternative aufzuzeigen: seelischer Tod in der Versklavung durch irdische Annehmlichkeiten oder das ewige Leben in der Freude Christi bei dankbarer Annahme von Folter und Tod. Was der Welt irrsinnig erscheint, ist für den wahren Christen der eigentliche Sinn des Lebens: immerdar bei Christus, in der Gnade Gottes, dem unverdienten Geschenk unaussprechlicher Tröstung zu verbleiben, in wahrer innerer Ruhe und Freude, in steter Dankbarkeit Gott gegenüber und im Bewußtsein, dass es unmöglich ist, Ihm angemessen zu danken. Ein solches Leben bedeutet, in ständigem Gebet und in Buße alles freudig anzunehmen, was der gütige Herr uns zur Rettung unserer Seele schenkt, – und das schließt die Schmerzen und den leiblichen Tod mit ein. Denn nichts kann den wahren Christen von Christus trennen, auch nicht der leibliche Tod, sondern nur ein jeder im Herzen akzeptierter sündiger Gedanke.

Heilige Märtyrer bitten Gott um Vergebung für ihre Folterknechte

Christus, im Gegenzug, macht die Schmerzen durch Seine göttliche Tröstung erträglich. Er hilft uns im inneren Kampf mit unruhestiftenden Gedanken, die aus dem unreinen Herzen kommen und durch die Einflüsterungen des Widersachers verstärkt werden. Erst der Blickwinkel von außerhalb des Irdischen ermöglicht es, nachzuvollziehen, wie heilige Märtyrer Gott um Vergebung für ihre Folterknechte und deren Auftraggeber bitten können. Sie erfüllen nicht nur konsequent das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, sondern sind ernsthaft um das Heil ihrer Mitmenschen besorgt.

Den im Film böse auftretenden Gouverneur, der alle Christen hasst, sehen diese gleichsam als sie selbst in der Gestalt ihres “alten Menschen.” Sie wissen, daß sie diesen alten Menschen allein durch die Gnade Gottes ablegen konnten, um sich “in Christus zu kleiden.” Darum wünschen sie diesem verblendeten Menschen, auch er möge befreit werden. Gleichzeitig sehen sie sich selbst auch noch während ihres Bekenntnisses als sündig und von jeder Heiligkeit entfernt, denn sie erkennen die Schwachheit ihrer Fürbitte. So nehmen sie sich selbst in wahrer Demut als Mit-Ursache für das Leid vieler Menschen wahr.

Im Film heilt Apostel Lukas die Tochter des Gefängnisvorstehers – allein durch sein medizinisches Können.

Gallus, der Gefängnisvorsteher, hat eine Tochter, deren schwere Krankheit von den heidnischen Ärzten nicht geheilt werden kann. Da er weiß, dass der heilige Evangelist Lukas Arzt ist, ruft er ihn schließlich zu Hilfe. Im Film heilt dieser die Tochter jedoch allein durch sein medizinisches Können. Geradezu auffällig ist, dass der heilige Arzt vor der Heilung Gott nicht um Hilfe bittet. Hier wird davon abgelenkt, dass die Apostelgeschichte nicht wenige Heilungen durch Gebet und Handauflegung enthält.

Der wahre Glaube an Christus beinhaltet auch das durch das Denken nicht erfassbare.

Der wahre Glaube an Christus, den die Kirche seit ihrer Frühzeit bezeugt, unterscheidet sich diametral vom modernen Glauben des Verstandes, der an nichts mehr glaubt, als was durch das Denken erfassbar ist. Dabei wussten schon die alten griechischen Philosophen, dass Gott mit dem Verstand nicht erfassbar ist. Und Gott selbst offenbart sich denen, die ihr Herz von weltlichen Gedanken befreien können. Dabei meint dieses “Können” wiederum nicht das eigene Vermögen, sondern den unnachgiebigen Kampf, der Gottes Gnade als unverdientes Geschenk erfährt.

Nirgendwo im Film wird man auf das Wirken Gottes verwiesen.

Nirgendwo im Film wird man auf das Wirken Gottes verwiesen. Alle Handlungen sind rein menschlich. Es wird nicht einmal gezeigt, dass jemand um Gottes Segen bittet: Priester oder gar Bischöfe kommen trotz biblischer Überlieferung nicht vor. Gerade diese wurden ja eingesetzt, um die heiligen Mysterien zu verwalten. In diesen wirkt Gott im Herzen der Menschen auf geheimnisvolle Weise. Ebenfalls unerwähnt bleibt das Herzstück der frühen Kirche, das gemeinsame “Brot brechen.”: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferstehen lassen am letzten Tage; denn mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“(Joh 6, 54-56, BTD)

Fazit

Der Film enttäuscht, da er es nicht schafft, die Dynamik des Heiligen Geistes im Wirken in der jungen Kirche Christi zu zeigen. Dieser Heilige Geist selbst ist es, der in Synergie mit Menschen, die bereit sind, Ihn in ihrem Herzen zu empfangen, das Evangelium verbreitet. Der Film bleibt ganz im Irdischen verhaftet. Wären die heiligen Apostel so gewesen, wie im Film dargestellt, hätten sie es niemals vermocht, das was diese durch das Ablegen ihres “alten Adams” und das “Einkleiden mit Christus” in Wahrheit taten: die Kirche Gottes aufzubauen.

Patrick Erik Bradley