
(1959 – 1964 | je ca. 150 S.)
Meinung
Der kleine Nick
Der kleine Nick und seine Bande
Der kleine Nick und die Mädchen
Der kleine Nick und die Schule
Cornelia meint:
Alle viere: traumhafte Zeichnungen von Sempé.
Eine gründliche, herzerfrischende Verblödelung der Welt der Erwachsenen (Eltern, Ärzte, Lehrer…) und ein lebendiges Bild der Bubenseele: Radau machen, sich prügeln, reden, Spaß machen und den Streber ausgrenzen. Erstaunlich, wie schnell diese Jungs zuschlagen oder heulen oder sich umbringen oder weglaufen wollen, – das ganze Instrumentarium der Erpressung als Antwort auf die ewigen Drohungen/Versprechungen der Erwachsenen. Wie die Kleinkinder: sobald einer was hat oder darf – wollen die anderen alle auch. Und die Erwachsenen sind genauso kindisch wie die Kinder. Papa prügelt sich auch mit dem Nachbarn.
Herrlich auch die immerzu scharf daneben Logik – als Pendant zu den idiotischen Erziehungsmaßnahmen der Großen. Joachim kriegt einen kleinen Bruder und alle tauschen sich aus über das Elend kleiner Geschwister. Das Lügen der großen und die Verwunderung der Kleinen. Die Unfähigkeit des Vaters und der Hochmut der Mutter. Die Familien als Privathölle und trotzdem gleich wieder gut.. Aber die Kinder im Hier und Jetzt gut verankert sehen immer nur auf Nasenlänge. Es sind einfach verschiedene Gattungen, die Kleinen und die Großen.
Ich kann das mit hohem Vergnügen lesen – aber ich frage mich, abgesehen vom Spaßfaktor, und Spaß muss sein, – ob das nicht ein arg emanzipatives Unternehmen ist. Irgendwie haben sie alle die Lehrerin lieb und auch ihre Eltern, was wirklich bemerkenswert ist. Und wer ein guter Kumpel ist, wird auch geschätzt. Aber damit hat es sich.
Was war das für ein Mensch. Aus einer ukrainisch-polnisch-jüdischen Familie verlor er viele Verwandte durch deutsche Vernichtung. Wuchs in Buenos Aires auf, später USA, aber frankophon. An comics von früh an interessiert. Ist das eine Bewältigungsstrategie? Kann mein ein ganzes Leben dem Komischen widmen? Und dabei unbekümmert jenen Adalbert als Streber und Klassenersten von allen gehasst und verachtet sein lassen? Natürlich ist das ein mieser Typ: nach oben kriechen, nach unten treten, d.h. petzen. Aber es ist auch ein Kind, und keiner versucht, ihm aus dieser schrecklichen Falle herauszuholen.
Kann man solche Bücher wirklich getrost den Jungs überlassen, denn die haben ihren Spaß? Aber das alles erzieht doch zur Solidarität mit der schlagkräftigen Mehrheit. Nein, ich würde es nicht weitergeben oder vorlesen. Sollen die ihr Vergnügen daran suchen – ist ja nicht übermäßig schädlich.
Info
| Erscheinungsjahr | 20. Jh., 2. Hälfte |
| Seiten | 100-300 |
| Autor | Goscinny, René |
| Für Jugendliche: | Ok |

Kommentar zu: Goscinny, René – Der kleine Nick … (Serie).