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Marryat, Frederick – Sigismund Rüstig oder Der Untergang der Pacific

(1925? | 240 S.)

Meinung

Ich habe eine zweite Auflage auf Deutsch von 1954, die für die Jugend neu bearbeitet ist und die ich nicht so doll übersetzt finde.

Das Buch wurde offenbar als Antwort auf Wyss Swiss Family Robinson geschrieben, weil es Marryat – einen erfahrenen Marineoffizier – ärgerte, wie romantisierend darin der Schiffbruch behandelt wurde und wie wenig botanische Kenntnisse vermittelt werden. Ich vergleiche die Version von 1841, die Gutenberg im englischen Original im internet anbietet, mit der deutschen Bearbeitung und verstehe: Hier wird „für die Jugend“ vieles erklärt, was sonst vielleicht unverständlich bleiben würde. Dadurch wird der Text natürlich wesentlich umständlicher. Aber egal.

Das ist ein wunderschönes Buch, – ja, hier ist ein alter weißer Mann der Held. Aber da ist nichts billig, denn er erzählt von den großen moralischen Verfehlungen, deren er sich schuldig gemacht hat, und das verwandelt seine Weisheit in eine authentisch durch Leiden erworbene. Der Mann kennt die Reue, und seine Liebe zur Familie der Schiffbrüchigen ist wahrhaft Christus-ähnlich, denn er sorgt dafür, dass der 6-jährige Tunichtgut Tommy, der ständig durch seine Bosheit, Faulheit, Verfressenheit alle in Gefahr bringt, niemals erfahren soll, dass er an Sigismunds Tod schuld war.

Es ist einfach faszinierend zu lesen, wie aus dem Schiffbruch unter Sigismunds Leitung auf der Südseeinsel blühende Landschaften entstehen. Ja, es gibt hier viel Moral, aber sie ist wohltuend und christlich verankert. Ein solches Buch kann man wohl schon einem Fünfjährigen vorlesen, denn spätestens auf jeder vierten Seite lauert ein spannendes Abenteuer, und Bilder gibt es auch (in meiner Ausgabe allerdings mäßig doll gestrichelt).

(Allerdings musste die Vorlesung bei unseren Enkeln vertagt werden, weil der 6-jährige beim Schiffbruch weinte. Zum Einschlafen also lieber warten….)

Zugeben muss ich: Die Frauen spielen eine sehr schwache Rolle. Gut, die Ehefrau ist nur am Anfang krank und ängstlich; sobald es um Leben und Tod geht, steht sie brav ihren Mann. Aber die 7-jährige Tochter bleibt blass. Der Autor kannte wohl keine Super-Frauen im Kindesalter. Und ja, die Neger-Nanni wird herablassend wie ein Kind behandelt. Aber sie gewinnt an Kontur und erteilt dem fürchterlichen Tunichtgut Tommy die verdienten Strafpredigten. Es gibt hier nicht diese Herabwürdigung des simplen Dienstpersonals wie bei Erich Kästner. Und natürlich sind die Wilden wild und Menschenfresser und fürchterlich – das würde heute im Antikolonialismus nicht mehr durchgehen. Aber es war die Erfahrung der Seefahrer des 19. Jahrhunderts.

Ich muss unbedingt The children of the New Forest lesen, eines der ersten historischen Kinderbücher.

Jg Jungs 3 Sterne

Info

Erscheinungsjahr 20. Jh., 1. Hälfte
Seiten 100-300
Autor Marryat, Frederick
Für Jugendliche: Empfehlung

Kommentare

Kommentar zu: Marryat, Frederick – Sigismund Rüstig oder Der Untergang der Pacific.

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