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Salomon, Ernst von – Die Kadetten

1933 | 232 S.)

Meinung

Cornelia meint:

Lies: die Kette der Kraniche. Sagt Gregor.

Die Kadetten

Ein autobiographischer Roman. Trotz des Namens lothringischer Adel, Sohn eines Offiziers, der dann Polizeibeamter wurde. Junge taugt nix in der Schulde, kommt in die preußische Kadettenanstalt in Karlsruhe und 1917 in die Hauptkadettenanstalt Berlin. Nach Auflösung des deutschen Heeres 1918 hat der Autor sich rechtsradikalen Gruppen angeschlossen und war am Mord Rathenaus beteiligt.

Soweit uff.

Aber das alles widerlegt nicht, dass hier ein Bild des alten Preußen gezeigt wird, in dem einer zum heroischen Sterben bereiten Jugend das Ethos des „zuerst dem Staat Dienens“ eingebleut kriegt, sie diese Härte aber im Sinne der je eigenen Familientradition und Treue akzeptiert.  Es ist berührend, wie aus den jungen Rüpeln in kürzester Zeit ein Sinn für Ehre und Tüchtigkeit herausgetriezt wird, – und am Ende eine bewundernswerte Truppe.

Dass dies alles für ein sterbendes Reich geschieht, – bedauerlich. Dass diese begeisterte und opferbereite Elite von den Maschinengewehren niedergemäht wird – keine Sentimentalitäten. Sie waren als perfekte Kriegsmaschine ausgebildet worden in einer Zeit, die für sowas (samt Ethos und Ehre) keinen Bedarf mehr hatte.

Großartig, wie er das Wissen der Offiziere beschreibt, die Opferbereitschaft der Unteroffiziere, immer in Treue zum Kaiser. Nun, der hat nachher in Holland gedrechselt, während seine Saat hungerte, starb, verwundet überlebte oder halt sich in Opposition zur aufgestülpten Republik entweder für oder gegen Hitler stellte.

Bewundernswürdig, wie an Graf Plauen das unsinnig Totalitäre dieses Hohenzollernreichs abperlt, das der alte landsässige Adel immer wie eine Emporkömmlingerei verachtete – siehe Fontane. Kurz, man kann es diesen Kadetten nicht übelnehmen, dass sie die in ihr Fleisch eingeprägte Treue hinterher terroristisch umzusetzen suchen. Es war ein großer schrecklicher Irrtum in ihrer Erziehung gewesen. Sie wurden in eine Fiktion hinein erzogen, eine schöne Fiktion, und dann mussten sie erwachen.

Freiheit – mit dem Motto konnten die nix anfangen. Sondern:  Ordnung und Bindung. Und dann das Bild der Kadetten von Leningrad, bereit, dieses alberne Europa zu verspeisen. Nach Zuchthauszeit unterstützte der Protagonist nämlich den Nationalbolschwismus.

1933 sahen sich die Ex-Kadetten als Bekenntnis zum Preußentum. Gott sei Dank hielt Salomon sich von den Nazis fern, hatte Kontakte zum Widerstand. Produzierte aber als Broterwerb Nazi-Unterhaltungsfilme, sich selbst als korrupt erkennend und seine jüdische Geliebte schützend. Zuckmayers Gutachten bescheinigt ihm einen zu anständigen Charakter, um Nazi-anfällig zu sein. Da hat sein Preußentum doch noch durchgewirkt! Später in der linken Friedensbewegung aktiv.

Insgesamt komplex, weil die Feier des Preußentums und National-Konservatismus häufig als Begünstigung des National-Sozialismus gewertet wird. Ich meine aber, man muss das trennen.

Hist, Jg (Jungs) mit 3 Sternen

Info

Erscheinungsjahr 20. Jh., 1. Hälfte
Seiten 100-300
Autor Salomon, Ernst von
Für Jugendliche: Empfehlung

Kommentare

Kommentar zu: Salomon, Ernst von – Die Kadetten.

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