Goethe, Johann Wolfgang von Die Leiden des jungen Werthers

(1744) „Literatur im Reinzustand, und im Modus teuflischer Verführtheit. Kein Lehrer sollte wagen, sowas in der Schule aufzugeben.“

Meinung

Cornelia meint:

Der helle Wahnsinn. Groß, riesengroß die Kunst, mit der hier ein sich neigendes Leben in all seiner leidenschaftlichen Erkranktheit ausgebreitet wird. Man fühlt sich selbst wie im Sog mit hineingezogen, und es wundert mich überhaupt nicht, dass so viele ihm in den Selbstmord folgten. Das Ganze ist wie ein verführerischer Gesang. Und da ist auch eine sehr bedenkliche Todes-Orientiertheit, nicht nur in den Selbstmord-Bedürfnissen Werthers, sondern im Blick auf den Mord, mit dem der Knecht die von ihm geliebte Herrin davor bewahrt, da er sie nun nicht kriegen kann, Frau eines anderen zu werden. Es sieht fast so aus, als habe Werther diesen Dämon durch den Selbst-mord gleich mit exorzieren müssen.

Man kann das als alter Mensch lesen und literarisch und emotional wertschätzen. Literatur im Reinzustand, und im Modus teuflischer Verführtheit. Kein Lehrer sollte wagen, sowas in der Schule aufzugeben.

Info

Erscheinungsjahr18. Jh., 1. Hälfte
Seiten100-300
AutorGoethe, Johann Wolfgang von

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