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Hoffmann, E. T. A. – Die Bergwerke von Falun

(1819 | 80 S.)

Meinung

Macht es etwa was aus, in welcher Reihenfolge man liest? Ich habe dieses jetzt als Nummer 7 der Erzählungen Hoffmanns gelesen, und was mich sonst eher langweilte, nämlich die Einbeziehung von gespenstisch-Übersinnlichen (die Anderson einfach besser kann), das hat mich hier mitgenommen, verzaubert. Vielleicht, weil das ganze von vorneherein mehr wie das Märchen sich dargibt, das es ist. Ein junger Seemann hat nach dem Tod der Mutter keine Freude mehr am Meer und wird von Thorberg, einem als Bergmann verkleideten Fanatiker der unterirdischen Welt mit ihren Köstlichkeiten und ihrer Zauberkönigin Urania, nach Falun geschickt. Dort ergibt sich alles bestens, jedenfalls in der Oberwelt. Der Besitzer einer Grube nimmt ihn von Herzen auf, seine Tochter liebt zurück, das große Glück wartet nur darauf, wie die reife Birne vom Baum gepflückt zu werden.

In der Unterwelt aber nimmt man ihm übel, dass er ein anderes Glück sucht als das der Treue zu Urania. Seelisch verwundet und dem Wahnsinn nahe will er am Hochzeitstag noch ein Gechenk von unten holen und verursacht dabei einen Bergsturz, aus dem er erst 50 Jahre später gut erhalten geborgen wird. Und dann kommt das alte Mütterchen, dem der Thorberg ein Wiedersehen versprochen hatte, und haucht über der Leiche das eigene Leben aus.

Das klingt hier nu alles recht schlicht, aber es ist diese Schlichtheit, die die Märchenwahrheit bewahrt. Hier fehlt ganz die sonst beigefügte Ironie (im Topf). Aber es nimmt gefangen, und das ist auch mal schön.

(Ich habe im Vergleich die Fassung derselben Begebenheit bei Hebel gelesen (Unverhofftes Wiedersehen), aber das ist ganz trocken und wie eine Zeitungsnotiz „besondere Begebenheiten“. Wirklich nicht lohnend.)

GK**

Info

Erscheinungsjahr19. Jh., 1. Hälfte
Seiten< 100
AutorHoffmann, E. T. A.
Für Jugendliche:Gut

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Kommentar zu: Hoffmann, E. T. A. – Die Bergwerke von Falun.

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