Judson, William - In den Wäldern am kalten Fluss - Deutschsprachige Orthodoxie

(1974 | 224 S.)

William Judson ist ein Pseudonym von Edwin Corley. Der Autor war ein erfolgreicher Thriller-Fabrikant.

Foto: https://edwincorley.com/edwin-corleys-bio/

Meinung

Cornelia meint:

Fallensteller-Papa will, bevor die Gegend (Adirondack Mountains in upper New York) durch Jagdtourismus kaputtgemacht wird, mit Tochter (13) und angeheiratetem Sohn (12) noch ein letztes Mal im Oktober die Herrlichkeit der Natur erleben, und das, obwohl ein besonders schlimmer Winter vor der Tür steht. Grundthema seiner Erziehung: im Wald passiert einem nichts, man muss sich nur zu helfen wissen.

Glücklicherweise hat Tochter Lizzy ein gutes Gedächtnis, so dass sie all seine Lehren, von Kindheit an, vor dem geplanten Ausflug, und in den beiden Tagen, bevor das Leben des in den Stromschnellen verletzten Vaters zu Ende geht, buchstabentreu präsent halten kann. Was beider Kinder Überleben während dieses Winters in der Wildnis ermöglicht. Irgendwo ist Papa nämlich in einen falschen Flussarm abgebogen, so dass die Suchtrupps, die beim Ausbleiben der drei losgeschickt werden, nichts finden.

Und nun geht es um das gemeinsame Überleben ohne die wesentlichen Werkzeuge, die im Kanu geblieben sind, das sich selbständig macht und davonflutet: Lizzy weiß, was zu tun ist, Tom macht, und sie ist klug genug, ihm die Führungsrolle zu überlassen. Beide überleben im Schnee, endlich finden sie ein Blockhaus mit Vorräten. So lässt es sich leben, – wenn auch mit gewisser Sorge wegen des Besitzers.

Statt seiner werden die Kinder von einem entflohenen Sträfling heimgesucht, den die beiden zwar zunächst mit Bluff zum Verduften bringen (allerdings samt vieler Vorräte), beim zweiten Mal aber, weil gewalttätig, bei sich dulden müssen. Er plant, Tom als Sohn ausgeben, um unerkannt wieder in die Zivilisation zu gelangen. Wie er hierzu Lizzy ermorden will, gelingt es Tom, mit dem wieder funktionsfähig gemachten Schießeisen, das schon bei Abwehr und Erlegung eines Problembärs geholfen hat, ihn zu erschießen. Da der schlimme Mensch ihnen unbeabsichtigt verraten hat, wo ein Pfad aus der Wildnis herausführt, können die beiden sich endlich – und gerade noch rechtzeitig vor Erfrieren – retten. Tom hat die Hütte (samt, wie wir schließen können, Leiche des Übeltäters) abgebrannt, und keiner von beiden hat jemals über diesen Teil ihres Überlebens ein Wort verloren.

Zwischen der persönlichen Ebene der „zusammengeheirateten“ Geschwister, den Techniken des Warmbleibens, Hungerstillens und Jagens im Schnee, und der Konfrontation mit nackter Gewalt ist das ganze vielschichtig genug und spannend.

Allerdings macht es mir als Christin doch Kummer zu denken, dass diese Notwehr – Tötung dem Jungen zeitlebens auf dem Gewissen bleiben wird.

GK**

Info

Erscheinungsjahr 20. Jh., 2. Hälfte
Seiten 100-300
Autor Judson, William
Für Jugendliche: Gut

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