Meinung
Cornelia meint:
War wohl eine der prominentesten Bolschewikinnen. Setzte sich für die Verbesserung der Lage der Frauen ein (raus aus dem kapitalistischen Besitz-Denken: Gleichheit von Kameraden). Liebte Lenin und überlebte Stalin. Stritt sich mutig mit all den Bonzen um die Bürokratisierung des Kommunismus. Wurde in ihren letzten Lebensjahren durch diplomatische Posten im Ausland kaltgestellt. Hat sich dann auch im Interesse von Sohn und Neffe an die Parteilinie angepasst. Keine sympathische Sache. Aber die Erzählungen doch berührend.
Wege der Liebe
Alle drei Erzählungen sind vom bolschewistischen Standpunkt aus Versuche, mit den Kosten der Revolution fertig zu werden: Kosten im Verlust der Integrität von Frauen. Wenn man Gott da rausnimmt, bleibt nur Gerümpel. Das wird hier anschaulich.
Die Liebe der drei Generationen
Revolution in Russland, eine neue Welt setzt sich durch. Die Großmutter hat noch christliche Intuitionen im Kopf: Als sie sich in einen neuen Mann verliebt, schreibt sie sofort ihrem alten Mann, dass sie ihn verlassen muss. Liebe ist hier immer noch: ein Mann eine Frau.
Die Tochter weicht das schon auf, denn sie liebt alle beide. Und die Frau des einen Mannes zählt nicht, die ist nur ein Zierpüppchen.
Die Enkelin macht ihre one night stands, ohne sich viel dabei zu denken. Die können auch länger dauern, nettes Gefühl, aber ohne Bedeutung. Da kann ruhig auch schonmal der jüngere Ehemann der Mutter mit drankommen, den sie viel besser versteht als Mama das tut. Wenn Mama sich nur nicht so anstellen würde!
Man sieht, wie mit jeder Generation der Sinn dafür, dass unser Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, mehr verloren geht.
Aber diese These, dass Sex nix anderes ist als ein Glas Wasser trinken, die hat sie in diesem Werk vertreten
Hist
Schwestern
Die Revolution hat mit viel Optimismus begonnen, aber dann endet es doch in Arbeits- und Obdachlosigkeit. Zwar ist die Frau mit einem erfolgreichen Mann verheiratet und könnte Haushalt machen, aber sie will ja für die Revolution arbeiten. Und der Mann entfernt sich, trinkt, bringt eine Prostituierte heim, später eine andere Frau, die er belogen hat. Mit ihr trifft sich die Ehefrau morgens in der Küche und erfährt, dass auch jene arbeitslos und obdachlos ist. Der Mann hat ihre Lage ausgenützt und sie gekauft. Die Ehefrau fühlt sich dem Mädchen verbunden wie eine Schwester. „Die alleinstehende Frau, die gegen die alte überlebte Ordnung kämpft – sowas ruft zu Tat und Kampf“.
Hm, naja. Nur lässt sich sowas nicht rauskämpfen. Da liegen tiefere Schichten verborgen, die man nicht ignorieren kann.
Hist
Wassilissa Malygina
Auch hier geht es um den Versuch, das patriarchale System der Macht-Ungleichheit zwischen Mann und Frau durch eine Kameraderie-Gleichheit in der Ehe zu ersetzen. Auch die einseitige Liebe zu eigenen Kindern muss weg. Familie aller Arbeiter, wie sie später 1920 in Kommunismus und die Familie schrieb. Und doch war sie später gegen berufstätige Mütter: da geht die Familie kaput. Allerdings hoffte sie, dass demnächst eine Gesellschafts-weite „Familie“ an die Stelle der Kleinfamilie treten würde.
Info
| Erscheinungsjahr | 20. Jh., 1. Hälfte |
| Seiten | 100-300 |
| Autor | Kollontai, Alexandra |


Kommentar zu: Kollontai, Alexandra – Wege der Liebe (3 Erzählungen).