(1923/1916 | 260/100 S.)
Meinung
König Hänschen I
Ein unbeschreiblich schönes Buch, moralisch, lebensklug, und mit herrlichen Witzen, ein Fürstenbuch für das Gute, politisch inkorrekt in der Darstellung der Neger, aber zugleich so liebevoll, dass man es gern erträgt.
Korczaks eigenes Leben der Hingabe an jüdische Waisenkinder, die er nach Treblinka begleitete, freiwillig, durchatmet dieses Buch. Vieles von den geforderten Kinderrechten ist heute umgesetzt, und prophetisch hat er vorausgesehen die Nachtseite der Rechte-Gewährung und Verrechtlichung. Es hat seinen Grund, dass der König eines demokratischen Reichs traurig ist.
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass Korczak sich zwar im höchst amüsanten, oftmals unbeschreiblich komischen Ton und der freundschaftlichen, zugleich belehrenden Ansprache an sehr junge Kinder richtet, dass er aber Themen von umfassender politischer Bedeutung behandelt. Er scheint überzeugt, dass man auch kleinen Kindern schon solch große Themen zumuten kann, und auf weiteste Strecken gelingt das. Dennoch ist das Ausmaß der Verunsicherung, die der kindliche König mit Enttäuschungen über das Misslingen seiner besten Absichten und bei seiner von falschen Freunden, Spionen, Betrügern, denkfaulen Beamten und feindlichen Königen durchsetzten Umgebung erlebt, mehr als man den Jüngeren zumuten sollte. Auch wenn man schon weiß, dass Hänschen im letzten Moment begnadigt ist, bleibt der Weg zur Hinrichtung Albtraum-artig. Für größere – begeisternd.
3 -sterne für sehr große GK
König Hänschen auf der einsamen Insel
Das ist alles sehr tief. Gut und Böse, und wie schwer es ist, das Böse durch Güte zu überwinden. Alles, was Hänschen zum Guten versucht, wird mehr oder weniger zerstört. Bei manchen bleibt die Inspiration zum Besseren. Seine Ruhezeit der Gefangenschaft auf der Insel – das ist ergreifend, wie er Ordnung in seine Kopf-Welt zu bringen versucht, und wie die Wachablösung, die er aus Mitleid veranlasst, unter den neuen Wachen sein Leben dort zur Hölle macht. Sehr seltsam der Turm im Urwald, in dem ein erfolgloser Reformer (Apostel?) wohnt, der ihn nur einmal rettet, dann verschwunden bleibt. Die Wilden behandeln ihn liebevoll und menschlich. Aber KuKlu ruft ihn nach Afrika, wo die weißen Könige Krieg geführt haben und die Kinder sterben. Hänschen kommt, rettet, und wird vom neidischen jungen König entführt ins Gefängnis. Unter Verbrechern beschützt man ihn. Er wird heimlich freigelassen, verbirgt sich als Schüler – bis er von neuem Krieg in seiner Hauptstadt hört. Dann kommt er, stiftet Frieden, verzeiht allen, und lebt als Arbeiter in einer Fabrik. Fritz, der nutzlose Kindheitsfreund, gerät in der Fabrik in einen Streit, Hänschen will retten und gerät in die Maschine. Stirbt.
NEIN. Das ist nicht zumutbar. Sowas geht mit Christus, dem Gottmenschen, der dann die Hölle besiegt. Aber ein Kind, mit dem die Leser mitgelitten haben, das darf am Ende nicht so sterben. Es gibt da etwas in Korczak, was mich fast als etwas Böses anmutet (ein bisschen wie bei Kafka). So darf man mit Kindern nicht umgehen.
Ich gebe zu: er hat das Recht dazu. ER hat dieses Böse alles erlebt und auf sich genommen. Er musste es sich von der Seele schreiben. Aber ich würde das keinem Kind zumuten. Sowas können sich Jugendliche später selbst erschließen, wenn sie wollen.
Also ich sage nicht, dass es kein gutes Buch ist, sondern dass ich es nicht wagen würde, Kindern es zu empfehlen.
Jg ***
Wladek
Hier schreibt Korczak seine eigene Geschichte: In Warschau, Hungersnot, Arbeitslosigkeit, der Niedergang einer Familie. Ein Freund, Olek, macht Mut und ist entschlossen, ein großer Führer wie Napoleon zu werden. Und schafft es. Ermutigt durch ihn, schafft es auch Wladek, aus dem Elend herauszukommen. Das Elend ist schwer verkraftbar, zwei Geschwister sterben. Aber die Liebe, die das Ganze durchströmt, tröstet.
GK ***
Info
| Erscheinungsjahr | 20. Jh., 1. Hälfte |
| Seiten | 100-300 |
| Autor | Korczak, Janusz |
| Für Jugendliche: | Empfehlung |

Kommentar zu: Korczak, Janusz – König Hänschen | Wladek.