
(1950 bis 1956 | insgesamt 1300 S.)
Meinung
Ich schreibe hier überall GK, obwohl unser 6-Jähriger auch schon sehr gut zuhört.
The lion, the witch and the wardrobe
Dieses erste in der Reihe der Narnia Bücher hat mich tatsächlich wieder so gefesselt wie als ich es früher las. Wunderbar, diese fremde Welt mit eigener Zeit und eigenem Raum, mit Fabeltieren, die die ganze Antike versammeln, und einem Löwen, der ein klein wenig wie Christus für die Sünde eines Jungen den eigenen Folter-Tod auf sich nimmt, um ihn von der ihm zugedachten Todesstrafe zu schützen.
Ein wenig enttäuschend ist der Stil: einerseits suggeriert er Vertrautheit mit der Erlebniswelt der Kinder und nimmt diese an die Hand – ein bisschen wie Erich Kästner. Andererseits sind die vier Kinder ziemlich schematisch dargestellt – es kommen da eigentlich keine Persönlichkeiten heraus. Aber wirklich berührend die moralische Durchsichtigkeit: Edmund hat in der Schule schlechte Sitten angenommen, die ihn für die Verlockungen der Winter-Hexe (schönen Gruß von Andersens Schneekönigin) sogar dann noch verführbar machen, als es um das Leben seiner Geschwister geht. Am Ende hat Aslan eine Unterredung mit ihm und der Kerl ist bekehrt. Sehr lustig die Tiere und die Fabelwesen und wunderbar die Bereitschaft der Kinder, unter Einsatz des eigenen Lebens den Faun retten zu wollen, der mit seinem Einsatz für Lucys Leben das seine verspielte. Am Ende werden die Richtigen gerettet und eine herrliche Königsherrschaft macht Narnia zum Glücksland. Und dann geraten die Kinder per Schrank auch wieder in das einsame Haus des Onkels, der übrigens ein weiser Typ ist, mit ordentlichen Seitenhieben auf die Schulen der Kinder.
GK ***
Prince Caspian
Kurz vor Abfahrt ins Internat werden die vier in die Narnia-Welt gezogen: der rechtmäßige Telmaris-Prinz hat gegen seinen Mord-Onkel das Hilfs-Horn geblasen. Die Kinder sind aber auf einer Insel gelandet, immerhin mit den Ruinen ihres ehemaligen Schlosses, und immerhin wird ein Zwerg geliefert, der die letzten paar hundert Jahre durcherzählt. Gemeinsam mit ihm und mit dem wieder aufgetauchten Aslan gibt es eine Hindernis-Wanderung zum Ort der Schlacht.
Sehr faszinierend, wie die Rolle des Glaubens aufs Sehen oder Nichtsehen von Aslan (dem Löwen-artigen Christus-Ersatz) beschrieben wird, und die Verteilung von eigener Tapferkeitsleistung und löwischer Hilfe – das ist ganz christlich gedacht. Edmund diesmal deutlich geläutert, dafür kriegt Susan ihr Fett ab. Hinreißend die bacchantischen Horden, die tanzenden Bäume und überhaupt die Tiere mit ihrer je besonderen Eigenart und Würde. Köstlich auch die boshaften Intriganten an Mirzas Hof, die ihn zum tödlichen Zweikampf mit König Peter reizen. Ein Hochgenuss. Leider werden Peter und Susan niemals zurückkommen: sie werden zu alt sein. Dann geht es durch eine Luft-Tür ab ins Nichts – und zurück auf den Bahnhof.
GK ***
The Voyage of the Dawn Treader
Eine Odyssee, bei der König Caspian die von Mirza vertriebenen Freunde seines Vaters finden und ggf. rächen will. Die Reise auf dem Schiff führt zu verschiedenen Inseln, auf denen man hier und da tote, lebendige, oder eingeschlafene Mitglieder jener Gruppe Vertriebener trifft. Unterwegs ist diesmal Eustache, ein Ekel aus der Verwandtschaft der Pevencies (jetzt durften nur noch Edmund und Lucy mitkommen, Susan und Peter sind zu alt) und er wird durch die Erfahrung seiner Verwandlung in einen Drachen und schmerzlichen Häutung durch Aslan geheilt. Der Moment, in dem er glaubt zwischen zwei Drachen in der Höhle zu liegen, die immer, wenn er einen Arm bewegt, simultan den Drachenarm bewegen, bis er merkt, dass er selbst zum Drachen geworden ist, – das ist umwerfend. In höchster Not (auf der Insel der wahrgewordenen Träume, alles Alpträume) kann man Aslan rufen, und er hilft.
Am Ende geht es um das von Maus Reepichiep durchgesetzte Abenteuer der Fahrt ans Ende der Welt, wo Caspian lernen muss, dass der ersehnte Schritt „hinüber“ – eine Art Todessehnsucht und Aslan-Sehnsucht – ihm nicht zusteht: er muss heim und regieren. Nur die kühne Maus darf das, und die Menschenkinder gelangen dort, Abbiegung links, wieder in ihre Normalwelt.
GK ***
The Silver Chair
Eustace und Jill leiden unter den mobbenden Mitschülern in einer liberalen Schule, die der individuellen Selbstverwirklichung alles unterordnet. Diesmal muss Jill was dazulernen, als die beiden auf der Flucht ins Anderland gelangen. Weil sie nämlich dort mit ihrer Schwindelfreiheit am Rande einer Schlucht protzen will, kommt es zum Kampf mit Eustace, der sie retten möchte und der dabei hinunterfällt. Auge in Auge mit Aslan kriegt sie da ordentlich was zu bereuen. Dann wird sie mit drei Aufgaben nach Narnia rübergeblasen, um Rilian, Kaspians Sohn wiederzufinden, wobei ihnen Puddleglum helfen will, damit er endlich mal den Ernst des Lebens kennenlernt. Diese Aufgaben soll sie ständig wiederholen – was sie irgendwann verbaselt.
Den Rilian hat die grüne Hexe in ihre Unterwelt hineinverzaubert, nur eine Stunde in jeder Nacht kommt er zur Besinnung über seine Gefangenschaft. Wie die Hexe hört, dass die Kinder die Ruinenstadt suchen, schickt sie sie zum Riesenschloss mit dem Versprechen auf köstliches Festessen – und mit einem Gruß von ihr, der – das merken die aber nicht – die beiden als Pudding-Material nahelegt. Die Kinder denken nur noch ans Essen und vergessen ihre Aufgabe. Deshalb erleben sie die beklemmende Atmosphäre unter denen, die sie zum Fest verspeisen möchten, können allerdings rechtzeitig in die Unterwelt entfliehen. Dort gelingt es ihnen, nicht nur Rilian zu befreien, sondern einen kriegerischen Aufruhr der gesamten Unter-Erde versklavten Bevölkerung gegen die nun erkennbare Drachenhexe anzustiften und die geplante Eroberung von Narnia zu verhindern.
Dort freut man sich, und die Kinder haben keine Angst mehr.
GK***
The horse and his boy
Hier bleibt alles in der Zauberwelt, zur ersten Zeit der vier Kinder-Könige. Der Fischerjunge Shasta, der sich in Calormen, einem üblen Gegenstück zu Narnia, nie richtig zuhause fühlte, entgeht dem Verkauftwerden an einen Fürsten, indem er sich mit dessen geklautem Pferd zusammentut, einem redenden Narnia-Pferd, das den völlig unerzogenen Jungen gleichsam adoptiert und zur gemeinsamen Flucht befähigt. Zwischendurch flieht auch eine calorminische Fürstentochter vor der Ehe mit einem fürstlichen Obermakker Mummelgreis. Rätselhafte Löwen-Verfolgungen, die sich später als wohlmeinende Führung durch Aslan erweisen, denn so werden beide Kinder und ihre Redepferde zusammengebracht.
Leider wird diese Aravis in der Hauptstadt, durch die sie hindurchmüssen, von einer Freundin entdeckt und Shasta für von einer diplomatischen Delegation aus dem friedliebenden Archenland für den dortigen Kronprinzen gehalten. Beide müssen zusehen, wie sie entfliehen und sich bei grausigen Grabhöhlen verstecken und wieder treffen können. Ritt durch die Wüste, ein Löwe, der Aravis verletzt, obwohl sich Shasta todesmutig und selbstlos gegen ihn stellt – auch das war Aslan, der Aravis beibringt, wie schlimm die Rutenstreiche waren, die wegen ihrer Flucht eine Sklavin auszuhalten hatte. Aber Shastas selbstloser Mut hat ihm die Hochachtung der anderen drei (wesentlich besser erzogenen mit-Reisenden) gewonnen. Wurde auch Zeit! Ein Einsiedler flickt sie alle nach den Entbehrungen der Wüste wieder zusammen.
Inzwischen aber will der böse Prinz von Calormen das Schloss von Archenland erobern, um sich dann in Narnia Königin Susan als Ehefrau zu holen, die ihm beim Besuch in seiner Huaptstadt voller Schrecken über seine Grausamkeit entflohen ist. Shasta kann das mit Hilfe des Eremiten und durch einen heldenhaften Marathon verhindern. Es stellt sich raus, dass er der Zwillingssohn des Kronprinzen von Archenland ist, der als Baby von Feinden entführt worden war.
Nette Zweisamkeit mit seinem Bruder und endlich auch mit Aravis, die den neu gefundenen Kronprinzen Cor endlich auch heiratet. Ende Gut alles prima.
Auch hier kriegen die Hochmütigen ihr Fett ab, und jede Strafe ist eine freundliche Zurechtweisung. Jenes Prinzen-Ekel allerdings, das jede Hilfe ablehnt, wird bedingt begnadigt nach Demütigung vor seinem Volk. Aslan ist – obwohl Bree nix davon wissen will – ebensosehr ein wahrer Löwe wie Christus wahrer Mensch ist, und beide ebenso wahrhaft göttlich. Da ist zimelich viel 1:1 Abbildung dessen, worauf Lewis seine Leser vorbereiten soll: am Aslan wird Christus begreiflich und liebenswert. Und das gelingt sogar.
GK ***
The Magician’s Nephew
Hier wird die Vorgeschichte von Narnia aufgearbeitet: Nnach dem Untergang irgendwelcher verhexter Vor-Welten kriegen wir eine Schöpfungsgeschichte der Klänge. Aber bevor wir dahin kommen, gibt es eine Rahmenhandlung, die der deutsche Herausgeber, weil es ja chronologisch als erstes drankommt, an den Anfang der Serie gesetzt hat. Das ist eine schlechte Idee, und die Großen (6 und 8) kamen nicht rein. Erst jetzt, nach all den anderen Bänden, sind sie vorschriftmäßig begeistert). Das Arge ist: Polly und Digory erforschen zwar ganz zünftig eine alte Häuserreihe in London, landen dann aber bei Digorys Onkel Andrew, der seine magischen Spiele treibt und sich wie ein rücksichtsloser Wissenschaftler gebärdet: immer nur die anderen dem Risiko aussetzt. So macht er es auch mit den Kindern, denen er magische Ringe mit Gewalt (bzw. durch Erpressung) aufzwingt: mit seiner hausbackenen Magie gerät er in größte Schwierigkeiten, als er die von Digory unvorsichtigerweise geweckte Schwarze Königin empfangen muss, die nun daran geht, auch London zu unterwerfen. Sowohl Onkel Andrew als auch jene Königin sind Oberekel, vor denen man Angst kriegen muss, und zugleich bangt Digorty um seine sterbende Mutter, die von der Tante gepflegt wird.
Das mit London geht schief, und als Digorty die Hexe wieder in ihre Unterwelt zaubern will (er besitzt ja die „rein“ und „raus“ Ringe, kommen aus Versehen Jill, der Onkel, ein Kutscher und sein Pferd allesamt mit. Die Hexe wird von Aslan lahmgelegt, allerdings muss Digorty einsehen, dass seine unkluge Neugier in die neu geschaffene Narnia-Welt das Böse hineingelassen wird. Immerhin darf der nette Kutscher mitsamt seiner Frau erstes Königspaar sein, und Digorty wird einer schweren Prüfung unterzogen: Aus einem fernen Apfelbaum soll er einen Apfel mitbringen. Das Arge ist: in jenem Garten wohnt die böse Königin, die nun die Sorge des Jungen um seine Mutter benutzen möchte, um ihn zum Diebstahl und Essen (es winkt der Sündenfall!) zu verführen. Glücklicherweise durchschaut er die List, weigert sich, die mitgereiste Polly zu verraten und kriegt von Aslan dann eine Frucht, die seine Mutter tatsächlich wieder gesund macht. Es ist ober-faszinierend, wie Lewis hier das Thema des wahren und des nur scheinbar Guten abhandelt.
Uncle Andrew bleibt weiterhin von der schönen Königin fasziniert und in seiner Verblendung ausgeschlossen von all dem Herrlichen, das Aslam schuf.
GK **
The last battle
Und nun auch noch eine Apokalypse. Der böse Affe verkleidet den lieben Esel mit Löwenfell in einen Pseudo-Aslan und nutzt dessen vermeintliches Wiederkommen, um ganz Narnia an Calormen auszuliefern, alle Freiheit zu zerstören. Indem der Affe die Götter von Narnia, Aslan, und von Calormen, Tash, religions-synkretistisch ineinanderlaufen lässt, befördert er die Sache der Aufklärung: die Tiere sind so verwirrt von den schrecklichen Befehlen des falschen Aslan, dass sie sich dem Nichtglauben, der Aufklärung zuwenden und alle Götter leugnen. Zuvörderst tun dies die Zwerge, die keinen Gott, keinen König mehr wollen, sonderen Freiheit für das Zwergenvolk.
Wie Tirian, der letzte König, von diesen Machenschaften hört, ist er so empört, dass er, alle Vorsicht vergessend, mit dem Einhorn hinrennt und zwei Calormen-Leute erschlägt, um die freien Redepferde zu retten. Später schämt er sich, so seine Ehre verraten zu haben und gibt sich selbst in Gefangenschaft. Katastrophe, denn jetzt werden die Eroberer leichtes Spiel haben.
In höchster Not ruft Tirian Aslan und die Kinder zu Hilfe und kann jenen früheren Königen beim Abendbrot auch erscheinen: Eustace und Jill können ihn befreien und alle fliehen. Am nächsten Tag schleichen sie sich hinter den Stall, in dem der falsche Aslan untergebracht ist, den Jill befreit…. hatten aber zwischendurch schon das Scheusal Tash entdeckt, also die wirkliche teuflische Macht. Dann gibt es Kriege mit der Calormen Armee und weitere Verschwörungen, diesmal auf Kosten des Affen. Gegenüber der tierischen Bevölkerung, die vor Furcht vor einem neuen, bösen Aslan zittert, wird jetzt Tashs Anwesenheit behauptet, und jeder, der in den Stall geht, wird von dort postierten Calormen getötet.
Ganz am Ende holt sich der richtige Tash den Affen und Konsorten, Narnia vergeht, die Tiere, die mit den Calormen paktiert hatten, wandern ins schwarze Nichts, alle braven und treuen in das neue Narnia-Paradies, wo die Kinder erfahren, dass sie bei einem Zugunglück ums Leben gekommen waren, aber alle Freunde und Verwandten wiedersehen. Auch Peter, Lucy und Edmund sind da – nur Susan nicht, denn sie glaubt nicht mehr, dass Narnia wirklich war: sie spielt Erwachsensein und mag nix mehr von alten Träumen wissen.
Selbst Emeth, ein Calormine, der immer nach dem wahren Gott gesucht und Tash dafür gehalten hat, aber bei dieser Suche untadelig geblieben war, darf mit in Aslans Himmelreich. Uff!
GK ***
Das ganze lohnt eine theologische Betrachtung.
Info
| Erscheinungsjahr | 20. Jh., 2. Hälfte |
| Seiten | > 600 |
| Autor | Lewis, C. S. |
| Für Jugendliche: | Empfehlung |

Kommentar zu: Lewis, C. S. – Die Chroniken von Narnia.