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Tschechow, Anton – Die Möwe

(1895 | 130 S.) Schauspiel/Komödie/Drama in 4 Akten

Meinung

Cornelia meint:

Naja, die ist ein Symbol der Befreiung aus der Gefangenschaft Ninas in einer unmöglichen Familienkonstellation. Sie will also fliegen und versteift sich auf die Schauspielerei, wobei sie sich von Konstantin, dem stets unerfolgreichen möchtegern-Schriftsteller löst und dem berühmten Schriftsteller Trigorin zuwendet. Wie in einer der Erzählungen über das Altwerden ist auch diese Frau bereit, den Höhenflug der Kunst zu wagen und endet missbraucht und alleingelassen mit einem Kind und enttäuschten Ersatzhoffnungen. Sie also scheitert, was Konstantin prophetisch vorhersieht, indem er ihr anfangs eine Möwe schießt, blödeste Idee, muss man sagen. Trigorin lässt diese Möve ausstopfen, weil verliebt, will aber später, nachdem er Nina fallenließ, davon nie mehr hören.

Okay, eine Leiche am Weg der Männer, der schlimmen Familie, der eigenen Illusionen.

Zugleich geht es um die Kunst.

Arkadina ist die alte Diva, sehr berühmt, besteht aber nur aus Eitelkeit und ruiniert damit das Leben von Sohn Konstantin, von dem sie immer nur Anbetung für sich will, wobei sie seine eigenen künstlerischen Bemühungen immer gleich kaputtmacht, also sein aufgeführtes Theaterstück lächerlich macht, bis er hinschmeißt.

Konstantin also sehnt sich nach Anerkennung, aber die Mascha-Tochter seines Gutsverwalters nimmt er so lange nicht wahr, bis dieselbe klugerweise den ungeliebten Lehrer heiratet, den sie dann aber unglücklich macht, indem sie sich um das Kindchen nicht kümmert, sondern lieber bei den Eltern mitmischt, wo der Lehrer nie anerkannt wurde. Der ist das große Opfer, der einzig Liebende.

Ich weiß wirklich nicht, was dieses Bild des Elends uns heute soll.

Naja, in der Rezension einer Theater-Aufführung in London wird hochgelobt, dass der Abend den „oft beschwiegenen Sinneskonflikt zweiter Generationen, die sich fremd sind. „von einer Jugend, die den Schmerz früher kennenlernt als die Liebe, und einem Alter, das sich mit falscher Ironie gegen das richtige Lebensgefühl wehrt.“ Okay, wenn man sein eigenes Verfehltsein gern gespiegelt kriegt – schön.

Info

Erscheinungsjahr 19. Jh., 2. Hälfte
Seiten 100-300
Autor Tschechow, Anton
Für Jugendliche: Ok

Kommentare

Kommentar zu: Tschechow, Anton – Die Möwe.

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