Der große Kanon des heiligen Andreas von Kreta

Der Große Kanon des hl. Andreas von Kreta (griechisch Ἁγίου Ἀνδρέου Κρήτης Μέγας Κανών) ist ein orthodoxes hymnographisches Werk. Der Text des Kanons ist im Triodion der Fastenzeit enthalten und besteht aus 250 Troparien (Strophen). Damit dürfte es sich um den umfangreichsten Kanontext überhaupt handeln.

Der Große Kanon auf DOM-Hl-Michael.de

Auf unserer Website finden Sie die Leseordnungen für die erste und fünfte Fastenwoche, ergänzt durch kurze Kommentare zu Übersetzungsvarianten und die jeweiligen Stellen aus dem Alten und Neuen Testament, auf die sich der hl. Bischof Andreas bezieht.

Der Große Kanon

Der Große Kanon des Hl. Andreas von Kreta ist ein zentraler liturgischer Text der Fastenzeit. Nur hier bei DOM dreisprachig und kommentiert zum Mitlesen und Nachschlagen der Schriftstellen.

Die Entstehungsgeschichte

Das Synaxarion verbindet die Zusammenstellung des Großen Kanons mit dem Leben der heiligen Maria von Ägypten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Große Kanon autobiografischer Natur ist[1] und ursprünglich weder für die Große Fastenzeit noch auf einen Feiertag hin verfasst wurde. Es sei vielmehr das persönliche Bußgebet eines reifen Menschen, der seine verbleibende Zeit der Umkehr widmen möchte.

Der liturgische Gebrauch des Großen Kanons ist erstmals in den Quellen der Studion-Tradition überliefert, in der Hypotyposis (dem Regelwerk des Studionklosters, erstellt vom hl. Theodor dem Bekenner) und in anderen Dokumenten. Der Kanon selbst ist bereits in den ältesten Triodien der Fastenzeit enthalten, die uns aus dem 10./11. Jahrhundert überliefert sind. Laut diesen Quellen war sein Gesang in der fünften Woche der Großen Fastenzeit vorgeschrieben; bezüglich des Wochentags differieren diese Quellen.[2]

Struktur

Der Große Kanon ist einer der frühesten vollständigen Kanons und zeichnet sich daher durch einige Besonderheiten aus: Er bildet eine Sammlung von Kehrversen bzw. Troparien zu biblischen Liedern. Die Hirmen sind Verse aus biblischen Liedern, die nur selten vom Kanonverfasser noch ergänzt wurden. Der Große Kanon enthält neun Oden und ist damit einer der wenigen Kanons, bei denen bis in unsere Zeit auch die zweite Ode erhalten ist.[1]

In fast jeder Ode des Kanons können zwei Teile unterschieden werden: Der erste ist ein Gespräch mit der eigenen Seele über die eigenen Sünden und die Mittel, sie zu korrigieren; der zweite ist ein Gebetsschrei zu Gott um Gnade. Für die Schau der eigenen Sünden betrachtet der hl. Andreas die biblische Geschichte: in den ersten acht Oden überwiegend das Alte Testament, das Neue Testament dann am Ende der achten und ganz besonders in der neunten Ode. Er weist auf die dort geschilderten Sünden und Sünder beispielhaft hin und macht seiner Seele den Vorwurf, sie habe jenen nachgeahmt; die biblischen Rechtschaffenen führt er ihr dagegen als positive Vorbilder an. Der Heilige betrachtet sich selbst als einen zutiefst sündigen Menschen, der andere in seiner Sünde weit übertroffen hat.

Nach der Regel müssen zu jedem Troparion des Kanons drei große Metanien verrichtet werden. Bei gewissenhaftester Befolgung bedeutet dies einen siebenstündigen ununterbrochenen Gottesdienst mit etwa tausend Niederwerfungen.

Liturgischer Vollzug

Gemäß dem Jerusalemer Typikon wird der Große Kanon nur während der Großen Fastenzeit gelesen:

  •    Beim Großen Apodeipnon (Komplet) am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der ersten Woche der Großen Fastenzeit wird er in Teilen gesungen und gelesen.
  •    Am Donnerstagmorgen der fünften Woche der Großen Fastenzeit erfolgt die Lesung in voller Länge. Der Gottesdienst des Orthros am Donnerstag der fünften Woche der Großen Fastenzeit erhielt im Russischen die Bezeichnung Mariino Stojanie (Marien-Stehen), weil in ihm die Vita der heiligen Maria von Ägypten gelesen wird, unterbrochen vom Gesang des Großen Kanons. Am Ende jeder Ode des Großen Kanons werden Troparien aus der entsprechenden Ode des Kanons der heiligen Maria hinzugefügt (wie übrigens auch am Mittwoch und Donnerstag der ersten Woche der Großen Fastenzeit), zusammen mit Troparien, die dem hl. Andreas von Kreta gewidmet sind. Diese finden sich als Ergänzung zum Großen Kanon erstmals nach dem 11. Jahrhundert in einzelnen Handschriften.[2]

Der Kanon wird durch zwei Reihen von Gesängen ergänzt:

  • 16 Troparien der Makarismen, die zusammen mit dem Kanon verfasst wurden, und
  • 24 alphabetische Stichera (στιχηρὰ κατὰ ἀλφάβητον) – mit einem alphabetischen Akrostichon

  1. Prof. Karabinov, I.: Das Fastentriodion [Postnaja Triod‘]
  2. Der Große Kanon des heiligen Bischofs Andreas von Kreta. Kirchenwissenschaftliches Zentrum „Orthodoxe Enzyklopädie“ (Pravoslavnaja enciklopedija)

Der Artikel wurde aus Wikipedia (russ.) übersetzt und leicht angepasst. Er beruht auf dem Eintrag in der „Orthodoxen Enzyklopädie

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