Die Parohia Offenbach der Rumänisch-orthodoxen Kirche feierte am 6. September, zum Fest des Wunders von Chone unseres DOM-Beschützers Erzengel Michael, ihre erste vollständig deutschsprachige Göttliche Liturgie.
Nachfolgend ein Bericht vom ersten dieser Gottesdienste (Quelle: Parohia Offenbach)
Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung

Am 14. Sonntag nach Pfingsten, dem 6. September 2026, wurde in der Rumänisch-Orthodoxen Gemeinde „Sfântul Mare Ierarh Nicolae“ — dem heiligen Großen Hierarchen Nikolaus geweiht — in Offenbach am Main zum ersten Mal die Heilige Liturgie vollständig in deutscher Sprache gefeiert. Damit erfüllt sich ein Wunsch, den der Priester der Gemeinde, Protopop Stefan Anghel, seit vielen Jahren getragen hat. Von diesem Sonntag an feiert die Gemeinde an jedem Sonntag zwei Heilige Liturgien: die gewohnte in rumänischer Sprache — und eine zweite, vollständig auf Deutsch. Die 1975 gegründete Gemeinde zählt zu den größten und lebendigsten rumänisch-orthodoxen Gemeinden in diesem Teil Deutschlands.
Vom eröffnenden Segensruf bis zur Entlassung erklang an diesem Sonntag jedes Wort auf Deutsch: die Friedensbitten, die Antiphonen, die Lesungen, das Glaubensbekenntnis, das eucharistische Hochgebet, das Vaterunser. Nichts wurde gekürzt, nichts umgestellt, nichts vereinfacht. Es war dieselbe Heilige Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos, die in dieser Kirche an jedem Sonntag gefeiert wird — in derselben Ordnung, mit denselben Gesängen, an demselben Altar. Allein die Sprache war eine andere.
Gefeiert wurde in der älteren der beiden Kirchen der Gemeinde — jener, die dem heiligen Hierarchen Nikolaus geweiht ist und der Gemeinde ihren Namen gegeben hat. Es ist die Kirche, in der die Gemeinde ihre ersten Jahre in eigenen Mauern verbracht hat. Während wenige Schritte entfernt in der neuen, im Juni dieses Jahres geweihten Kirche „Sonntag der Rumänischen Heiligen“ die rumänische Liturgie noch im Gange war, versammelte sich hier um neun Uhr die deutschsprachige Gemeinde — zunächst zum Akathist, im Anschluss zur Heiligen Liturgie. Zwei Kirchen, zwei Sprachen, ein Glaube — Tür an Tür.


Der Orthros, der dem sonntäglichen Gottesdienst vorausgeht, wird weiterhin allein in rumänischer Sprache gefeiert. Vor der deutschen Liturgie wird stattdessen ein Akathist gelesen — ein gesungener Lobpreis, der die Gemeinde auf die Feier einstimmt. (…)
Warum eine Liturgie auf Deutsch
Die Gemeinde in Offenbach ist über ein halbes Jahrhundert gewachsen — und mit ihr sind Kinder und Enkel derer herangewachsen, die einst aus Rumänien kamen. Viele von ihnen sind in Deutschland geboren, zur Schule gegangen und zu Hause in beiden Welten. Dazu kommen deutschsprachige Ehepartner, Freunde und Nachbarn und nicht zuletzt Menschen ohne rumänische Wurzeln, die den Weg in die Orthodoxie suchen. Ihnen allen soll die Liturgie nicht nur zugänglich, sondern verständlich sein — nicht als Zuschauer eines schönen, fremden Gottesdienstes, sondern als Mitbetende.
Ein Bruch mit der Überlieferung ist das nicht, im Gegenteil: Die orthodoxe Kirche hat von jeher in der Sprache des Volkes gebetet. Griechisch, Syrisch, Georgisch, Kirchenslawisch, Rumänisch, Arabisch, Englisch — jede dieser Sprachen war einmal neu, und jede wurde zur Sprache des Gebets, weil Menschen in ihr denken, glauben und weinen. Die Sprache ist nicht der Glaube. Sie ist die Tür, durch die er ins Herz findet.
„Unsere Kinder sind hier geboren. Sie sollen nicht raten müssen, was in der Kirche gesprochen wird, sondern mitbeten können. Und wir haben die neue Sprache in unser ältestes Haus getragen: Dass es die Kirche des heiligen Nikolaus ist, in der wir angefangen haben, ist kein Zufall — dort hat unsere Gemeinde immer neu begonnen.“ (Protopop Stefan Anghel)
Die rumänische Sprache bleibt selbstverständlich das Herz des Gemeindelebens. Die Heilige Liturgie in rumänischer Sprache wird wie gewohnt gefeiert, ebenso Vesper und Akathist, die Rumänische Schule, die Tanzgruppe und die Feste des Kirchenjahres. Was hinzukommt, nimmt nichts weg — es fügt hinzu. Aus einer Gemeinde, die auf Rumänisch betet, wird eine Gemeinde, die in zwei Sprachen dasselbe betet.
Deutscher Gottesdienst ab sofort
Sonntags in deutscher Sprache
9:00 Uhr — Akathist, anschließend Heilige Liturgie
Kirche „Hl. Hierarch Nikolaus“ (alte Kirche)
Alle sind herzlich eingeladen — Gemeindemitglieder wie Gäste, ob sie Rumänisch sprechen oder nicht.

Eine Gemeinde mit langer Geschichte
Die Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde Offenbach am Main ist dem heiligen Großen Hierarchen Nikolaus geweiht und steht jurisdiktionell unter der kanonischen Obhut der Rumänisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa. Gegründet wurde sie 1975 auf Initiative einer Gruppe rumänischer Auswanderer; seit 1995 ist Stefan Anghel Priester der Gemeinde, der zugleich das Amt des Protopopen von Mittel-West-Deutschland und Luxemburg innehat.
Heute besteht das Gemeindeensemble aus zwei Kirchen: der Kirche „Hl. Hierarch Nikolaus“, die der Gemeinde ihren Namen gibt, und der Kirche „Sonntag der Rumänischen Heiligen“, die am 14. Juni 2026 von vier Hierarchen geweiht wurde. Offenbach am Main liegt in der Rhein-Main-Region in unmittelbarer Nachbarschaft zu Frankfurt und zählt rund 130.000 Einwohner; nach den Deutschen bilden die Rumänen die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe der Stadt.

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