
(1557-1566 | 600 S.)
Meinung
Leben des Benvenuto Cellini (1500-1571): Von ihm selbst geschrieben – übersetzt von Goethe (1798)
Cornelia meint:
Nicht zu fassen, dieses Buch. Ein Renaissancemensch genau nach Rezept. Umfassend künstlerisch und zugleich technisch (die Öfen für überlebensgroße ErzDenkmäler) begabt, eingebettet in das große Who-is -Who italienischer Fürstenhäuser, Päpste und des Französischen Hofs unter Franz I, mit einer seiner Genialität (meine ich) angemessenen Geltungssucht ausgestattet, hochfahrend ehrpusselig aber immer schnell bereit zu vergeben und zu vergessen, großzügig und von unfassbarer Naivität gegenüber einer satanisch von Neid und Missgunst eingeschwefelten Welt, immer an falscher Stelle Vertrauen bietend, – und angesichts der dysfunktionalen Rechtsdurchsetzung ritterlich draufgängerisch und fähig, auch einer bewaffneten Übermacht Furcht einzuflößen. Leider fehlt es ihm an diplomatischem Geschick. Zwar kann er im Umgang mit Päpsten, Kardinälen und sonstigen Ober-Krokodilen stets mit angemessener Demut punkten, aber wenn deren Agenten die versprochene Bezahlung veruntreuen oder ihm die ihm als Künstler zustehende Hochachtung verweigern, dann lässt er gern mal die Sau raus und handelt sich dadurch weitere Todfeinde ein, die ihn ununterbrochen bei den eigentlich ihm wohlgesonnenen Potentaten verleumden. Drei Morde werden ihm vorgeworfen, – naja, zuerst musste er den Mord an seinem Bruder rächen (das versteht jeder, der die Zeitläufte kennt), dann einen Verfolger loswerden (was sein Papst billigte), und dann war da noch ein Postbeamter, der seiner Pflicht nicht genügte. Sie alle hatten, in einem Umfeld ohne wirksamen Rechtsschutz, ihren „guten Tod“ durchaus verdient.
Was mich aber begeistert ist, wie er nicht nur überhaupt ein frommer Mann war, der stets auf Gott und Dessen Gerechtigkeit blickte und nach glücklichen Ereignissen auch Wallfahrten als Zeichen der Dankbarkeit unternahm,, sondern dass er in jedem ihn heimsuchenden Unglück auch eine gerechte Strafe für seine vielen Sünden erkannte. Während der zweiten, nun wirklich fast tödlichen Gefangenschaft in der Engelsburg (aufgrund unbegründeter Anklagen, ein schreiendes Unrecht) hat er wie die drei Jünglinge im Feuerofen Gott gepriesen und seine Sünden bereut. Dort wurden ihm auch himmlische Visionen zuteil, sowie eine göttliche Verhinderung seines verzweifelten Selbstmords, die ich als orthodoxer Christ durchaus glaubwürdig finde. Dass er sich hinterher einen Heiligenschein dazufabulierte, – naja, es sei ihm verziehen. Er ist sogar bereit, eine ungerechtfertigte Todesstrafe anzunehmen als von Gott geschickt, und will vor seinem Tod noch beim Priester seinen Mördern verzeihen. Wie er im Gebet seine Leidenszeit übersteht – das versöhnt mich mit allen Fehlern, die er sonst noch haben mochte (auch mit seinem ausbeuterischen Umgang mit Frauen…)
Unfassbar das Elend jener Potentaten. Besonders die Päpste – was für armselige Würste. Und so viel Macht bei so viel Feigheit und Eitelkeit. Echt, – das musste sterben!
Kurz, ich bin hell begeistert von Cellini, und befinde mich in guter Gesellschaft mit Goethe.
Hist***
Info
| Erscheinungsjahr | 16. Jh. |
| Seiten | > 600 |
| Autor | Cellini, Benvenuto |

Kommentar zu: Cellini, Benvenuto – Autobiographie.