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Heinze-Hoferichter, Mara – Friedel Starmatz

(1928 | 257 S.)

Meinung

Cornelia meint:

Ein Lieblingsbuch meiner eigenen Kindheit. Es war nicht der kriegsbedingte Verlust der Mutter, der mich so fesselte (meine Mutter war ja da!), sondern die prekäre Situation des Flüchtlingskindes in einer Familie, in der jedes seinen Platz hat und keiner dem Flüchtling ein ständiges Willkommen bieten kann – außer Mama Iris, die seine Seele erkennt und seine Liebefähigkeit erfährt. Der Junge ist überall ein Mutmacher. Glücklich wird Frieder mit Eva, dem einsamen Schlosskind, zu dem er Zugang erlangt, weil er deren steifgefrorene Erzieherin weichklopft. Am Ende passt alles zusammen: Mama und Papa erscheinen in der Stadt zum Konzert, Adelsfritze Götz ist durch lange Krankheit geläutert, Versöhnung mit der vertriebenen Schwester, Friedels Mutter.

Um all diese menschlich sehr berührenden Wirren herum ist eine Art von poetischer Naturmystik-Girlande geschlungen, die sicher nicht jedes heutige Kind bei der Stange hält. Ist ja nett, wie Mond und Eichhörnchen ihre Hilfe planen, und wie alle Tiere mitmachen, – aber das Ganze ist doch – trotz aufopferndem Gutestun und Tieffühlen – so weit von jeder Christlichkeit entfernt, dass ich es schwer verdaulich finde. Und dann, der (neben dem ersten Weltkrieg) grundlegende Konflikt zu Adels-Stolz und Vorurteil ist einfach heute nicht mehr recht nachvollziehbar. Das Erziehungskonzept am Ende: eine vorurteilsfreie, auf individuelle Neigungen und Begabungen eingerichtete Bildung – nu, das ist heut ja alles geschenkt.

Die Autorin war Mitglied der NS Frauenschaft – grad wie meine Großtante-Oma – und wurde von der Spruchkammer in der Bodensee-Gegend deshalb als Mitläuferin eingestuft. Weil sie aber sich nie dort betätigt hat (anders als meine Oma, die die sozialen Hilf-Aktivitäten der Frauenschaft im Dorf selbstverständlich leitete), wurden ihr keine Sühne-Maßnahmen auferlegt. (meine Mutter hat damals ihre Tante erfolgreich bei ähnlicher Vorladung verteidigt). Immerhin hat man in keinem ihrer Werke Nazi-Gedankengut gefunden. Das ist beachtlich: für Leute ohne starken Glauben war die Ideologie ja verführerisch. Meine eigene Großmutter ist drauf reingefallen, hat nur den Antisemitismus nie akzeptiert. Aber national dachte man durchaus in der ehemals (und gefühlt weiter lebendigen) kaiserlichen Marine…

GK *

Info

Erscheinungsjahr 20. Jh., 1. Hälfte
Seiten 100-300
Autor Heinze-Hoferichter, Mara
Für Jugendliche: Ok

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