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Sapper, Agnes – Kleines Dummerle | Familie Pfäffling | Hoch droben

(1904 | 224 S.)

Meinung

Cornelia meint:

Kleine Dummerle, das

Dies ist die Geschichte vor der im dicken Buch erzählten: Es geht um das Finden der Wohnung bei Härtlings. Frieder wird hier aber dermaßen schlecht behandelt, und zwar von Geschwistern ebenso wie von Eltern, dass es unerträglich zu lesen ist. Man tut ihm Unrecht, erkennt das aber niemals an.

Es ist die Sorte Geschichte, die jemand sich ausdenkt, der sich selbst als immer missverstanden und misshandelt sieht und Trost daraus zieht, dass dieses selbst immerzu alle rettet. Also ein Selbstbefriedigungsunternehmen der Autorin. Brrr.

Familie Pfäffling

Anfangs kam ich schwer rein, weil es arg betulich wirkte. Aber ab Kap. 2 war ich gefangen. Ein wunderbares Buch mit tiefen moralischen Lehren für alle. James Krüss hat es arg kritisiert, weil es auf Gehorsam und Anpassung aus ist. Und die Eltern als Übermenschen zeigt. Aber das stimmt alles nicht, abgesehen davon, dass 7 Kinder und kein Geld eine enorme Erziehungshilfe darstellen.

Der Vater ist ein Feuerkopf, der deutlich auch Fehler macht, manchmal korrigieren ihn sogar die Kinder. Die Mutter ist eine Idealgestalt, der Mutter der Autorin nachgebildet (wann hörten Mütter auf, edle Vorbilder zu sein und wurden Drachen?), — und dennoch, auch sie hat ihre Versuchungen. Herrlich, wie jedes Kapitel einen Außenstehenden porträtiert und die Familie (die selbst auch ihre Kämpfe besteht) einbettet in ein Umfeld höchst interessanter und subtil dargestellter Geschichten. Einzig die Schwester der Mutter, die die Großmutter pflegt, ist allzu einsinnig als Lichtgestalt dargestellt, wo doch das Jungferndasein immer etwas Bitteres hat, wenn die Geschwister Kinder haben.

Allerdings habe ich bei den Enkeln bemerkt (d.h. der Schwiegersohn hat mich drauf gestoßen), dass der Konflikt mit dem kleinen Frieder, der nur noch seine Geige spielen und keine geschwisterlichen oder sonstigen Verpflichtungen mehr wahrnehmen will und sich sogar dem Gebot des Vaters widersetzt und, vor die Alternative gestellt „Geige oder Familie“ sich für die Geige entscheidet – auf eine üble Weise zugespitzt wird: „Dann bist du nicht mehr unser Kind“ – und er muss draußen im Hof bleiben. Über Nacht. Glücklicherweise wird den Schwestern eine Vermittlung erlaubt, und Knabe kriecht zu Kreuze – was wohl nötig ist, aber eine Brechung des Willens darstellt, die wir heute nicht mehr wagen.

Mich selbst hat gestört, die übertriebene Rücksichtnahme, die den Vater hinderte, den Eltern der jungen russischen Geigenschüler mitzuteilen, dass die lieben Knaben das Stundengeld veruntreut hatten. Auch der Wutbrief der Söhne an die Jungs selbst wurde verhindert. Angesichts der großen Geldnot der Familie (mindestens!) hätten die Eltern informiert gehört. Es nützt ja nichts, die Eltern zart zu schonen, wenn das Böse in den Kindern nur tiefer Wurzeln fasst. Am Ende haben sich die Jungs von selbst besonnen und das Geld geschickt – deutlich zu deus ex machinistisch.

Es gibt noch viel mehr von ihr, aber letztlich stört mich die un-kirchliche Frömmigkeit dieser Protestanten. Bei allen Sapper Geschichten ist die Familie heiles Kraftzentrum. Das reicht nicht.

KK trotzdem 3 Sterne

Hoch droben

Ein Dachdecker schläft in der Hitze des Tages ein, ganz nah am Abgrund. Menschen sehen ihn, holen die Feuerwehr, retten ihn.

Ich habe es den Kindern geschickt zum gegenseitigen vorlesen.

KK

Info

Erscheinungsjahr 20. Jh., 1. Hälfte
Seiten 100-300
Autor Sapper, Agnes
Für Jugendliche: Empfehlung

Kommentare

Kommentar zu: Sapper, Agnes – Kleines Dummerle | Familie Pfäffling | Hoch droben.

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