Siebe Josephine - Kinderbücher - Deutschsprachige Orthodoxie

Der DOM-Buchklub

Sie haben ein Buch gelesen, das Sie anderen Christen oder deren Kindern empfehlen können, oder vor dem Sie vielleicht warnen wollen? Senden Sie uns Ihre Kurzrezension per Mail, oder hinterlassen Sie einen Kommentar hier, falls es dazu schon eine Rezension gibt.

Buchkritiken – Wozu?

von Cornelia Hayes

Gründungsmitglied Cornelia Delkeskamp-Hayes

Ich gehöre zu den Leuten, die ihr ganzes Leben lang Bücher geerbt und gekauft haben. Jetzt bin ich alt und sehe mit Schrecken, dass meine Kinder auch schon volle Schränke führen. Wo soll das alles mal hin?

So kam die Idee, mit meinen Enkeln ein posthumes Gespräch zu beginnen, als orthodoxe Großmutter, mit deren Geschichten und Späßen sie alle aufgewachsen sind. Ich wünsche mir natürlich zuallererst, dass sie in der Kirche heimisch bleiben. Sie sollten sich aber zugleich, wie Vater Alexander Schmemann uns ermutigt, allem (wahrhaft) Schönen öffnen, denn auch darin zeige sich die Herrlichkeit Gottes.

Meine Empfehlungen (für jüngere und auch ältere Leser) nehmen also eine orthodoxe Perspektive ein. Die Anregung kommt vom Heiligen Basilius, der über den richtigen Gebrauch der griechischen Literatur einiges zu sagen hat: Er sieht sie als hilfreich zur Belehrung über die Tugenden, die auch im orthodoxen Leben wichtig sind,  und zur Einübung von Unterscheidung zwischen dem Guten und dem Schein-Guten.

Diese Perspektive setzt mich in kritische Distanz zum literarischen Kanon, den ich als Germanistik-Student kennen und lieben lernte. Meine Ehrfurcht vor – zum Beispiel – Faust I und anderen berühmten Großwerken ist durch mein kirchliches Leben geschwunden. Gerade bei einem so großen Genie wie Goethe bin ich erstaunt, wie läppisch mir vieles vorkommt, insbesondere die Spielerei mit den griechischen Pseudogöttern. Andererseits fand ich einiges Abseitige, und ganz besonders seine (nicht absseitige) Dichtung und Wahrheit ungeheuer faszinierend und lohnend. Und so geht es mir mit vielen Büchern, die heute zum literarischen Schulprogramm gehören. Meine Enkel sind noch klein, aber ich hoffe, dass ich all die Gespräche noch werde mit ihnen führen können, für die ich passendes Lesefutter bereitstelle.

Eine Einschränkung ist mir wichtig: Ich habe zwar auch Gedichte ausgesucht, die mir lohnend schienen. Aber sowohl bei Lyrik und Prosa halte ich mich von allen Liebesdingen fern: Hier muss jeder für sich selbst und ganz privat das ihn Berührende erschließen, und da funkt eine alte Großmutter nicht dazwischen.

Nun möchte ich meine Überlegungen der DOM-Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Vielleicht regen sie auch andere zum Lesen und Kommentieren an, so das das erhoffte Gespräch weitere Kreise zieht. Wenn andere Gernleser mitmischen und eigene Werke auswählen – umso besser. Ich freue mich schon auf solche Mitarbeit.

Josephine Siebe war eine deutsche Redakteurin und Kinderbuchautorin. Sie verfasste zwischen 1900 und 1940 fast 70 Bücher für Kinder und heranwachsende Mädchen, daneben eine Vielzahl von Beiträgen in Jahres- und Sammelbänden. Wikipedia

Meinung

Cornelia meint (KK = für kleine Kinder):

Das waren früher die absoluten Lieblingsbücher. Interessant wie anders ich das jetzt lese. Vermutlich muss ich erst ausprobieren, wie sowas heute geht.

Kasperle auf Reisen

Ziemlich gewalttätig und slapstickig, klare böse und gute Frauen. Die bösen Frauen beyond repair: Gundolfine, Mummeline, Liesetrine. Die Männer können teils bereuen (Damian), nur der Kasperlemann bleibt böse und der Händler, der den schlafenden Kasperle im Schrank kaufen will, auch. Der Herzog ist interessant in seinem Hin und Herschwanken zwischen gut und böse. Alle Freunde rein edel, basta.

In allen Büchern ist Kasperle wie ein Inbegriff des Kleinkinds: spontan, offen, voll Lachen und Weinen, ansteckend für alle, undomestizierbar. Insofern ist diese Reihe auch ein Plädoyer für Kindheit, und ein Widerstand gegen die Disziplinierungstheorien.

In diesem ersten Band ist Kasperle noch ganz amoralisch: bricht sein Versprechen, will geklautes Gold mitnehmen. Lernt aber aus Erfahrung (die Übel des Verfolgtseins) und Vorbild (Michele).

KK

Kasperle auf Burg Himmelhoch

Kasperle jetzt moralisch geadelt: um dem Freund Michele und der Rosemarie die Hochzeit zu ermöglichen, gibt er sich selbst dem Herzog als Preis und hält das gegebene Versprechen. Aus Mitleid mit den Eingesperrten bittet er seine Feinde Damian und den Kasperlemann frei, was jene läutert und zu Freunden macht. Hilft auch dem traurigen Marlenchen durch Heiterkeit und Freundschaft. Findet den verlorenen Ring des Herzogs und schafft Frieden mit dem Vater von Marlenchen, den Gundolfine beschuldigt hatte, den Ring geklaut zu haben. Am Ende gelingt es ihm, mit dem Trick der Magd den Herzog zur Lossprechung zu bringen, bei Nacht. Und schafft die Flucht nach Hause.

Am Ende läßt sich sogar der Herzog vom Grafen von Singerlingen, der Rosemarie nicht kriegen konnte und Gundolfine nicht haben will, bekehren und versöhnt sich mit Kasperle.

KK

Kasperle in der Stadt

Die ganze Grausamkeit der absolutistischen Herrschaft zeigt sich am Heiratsplan zwecks Friedenssicherung mit dem verfeindeten Nachbarn, nur damit Herzog das Waldhaus abbrennen kann, um Kasperle zu kriegen. Seine Einladung an Kasperle hatte Gundolfine hintertrieben, weshalb der Herzog, ohne Antwort geblieben, schon  wieder böse auf ihn wurde. Alle Waldhausbewohner reisen also nach Torburg, das zu jenem Nachbarfürsten gehört. Seine Tochter soll Floritzel wie versprochen dem Herzog zuführen, flieht aber mit ihr, da beide sich schon lange  lieben. Dem Herzog lag eh nur am Kasperle.

In Torburg die üblichen Streiche, die auf die Dauer etwas eintönig werden. Großes Mißverständnis weil Magd Dörte meint, der Professor wolle Kasperle zum Studieren in Spiritus setzen. Allzu Theater-mäßig all diese Mißverständnisse.

Stets aber bleibt die Angst, weil Gundolfine ihn verkleidet fangen will. Dabei gibt es viele Freundschaften in der Stadt, und Freundschaft auch mit Christli, dem Neffen des Herzogs. Dieser ist für den Tod von Christlis Mutter verantwortlich, die er verfolgte, weil sie nur Gräfin war und trotzdem seinen herzoglichen Stiefbruder heiratete. Beim Verkleidungsspiel im Garten wird Christli irrtümlich von Gundolfine geraubt. Christlis Tante samt Kasper hinterher. Beim Geburtstag des Herzogs wird enthüllt der vermeintliche Kasper und zugleich die Entführung. Der Herzog wird mit seinem gesammelten Unrecht konfrontiert und die Tante setzt Gundolfines Verbannung durch. Allgemeiner Jubel.

Hier hat das Böse also ziemlich rauhe Präsenz, und wieder muß der Herzog sich entschuldigen bei Chrislis Vater und Frieden schließen. (Von Entschuldigung über das Abfackeln des Waldhauses keine Rede).

KK

Kasperles Schweizerreise

Ein Brand hat Torburg vernichtet und Kasperle lässt sich großherzig an Mr. Stopp verkaufen. Mit dem Geld wird alles wieder aufgebaut. Reisen macht Spaß, Ferien sind versprochen. Auf dieser Reise die üblichen Missverständnisse durch Fehlhören oder dumme Scherze. Ansonsten hier dreht sich alles um die Entführung von Angela durch Floritzel, der sie in Rom heiraten wird. Hier wird Kasperle zu einer Seitenhandlung dieser Liebesgeschichte.

Kasperle auf der Kasperleinsel

Mr. Stopp bricht sein Ferienversprechen, Egoismus. K. reißt aus und findet seine Freunde auf einem Schiff, allerdings- rätselhafterweise, mitsamt Gundolfine als Agentin des Bösen. Die allerdings mildert sich und heiratet am Ende Mr. Stopp. Kasperle nämlich hat sich auf seiner Insel als der verlorengegangene Prinz ausgegeben. Die Kasperleinsel ist ein Sehnsuchtsort, aber zugleich ein Gebiet der Wilden mit Todesstrafe und Machtkämpfen und der Drohung, Marlenchen dortzubehalten. Kasperle opfert sich mal wieder, um das gefangene  Marlenchen zurück zum Schiff zu bringen. Aber das Opfer (er muss mit ihr schnell wegsegeln) ist nicht ganz so groß: Er ist nämlich gar nicht Prinz Bimlim sondern Peringel der Schlingel, und auf den wartet eh der Galgen.

KK

Kasperle ist wieder da

Die Entdeckung geschieht bei alten Leuten, die noch in der alten Jahrmarktswelt leben. Aber nach dem Krieg haben sie kein Geld, und das Erwachen plötzlich zweier beider Kasperles bringt die Alten in Not: das Essen kostet, und die beiden verschlingen eine Menge.. Die Enkel der Freunde sind auch verarmt, und Liebetraut II muss erstmal vom Hochmut gegenüber den kindischen Puppen zum Mitleid mit ihrem Schicksal durchmachen. Auch sind jetzt alle Kinder eingebunden in aufwendige Erziehungs- und Ausbildungsprogramme, und letztlich passen die Kasperles mit ihren Scherzen nicht mehr in diese Welt. Es wird zumeist nur darüber gelacht, wie sie sich in der Moderne nicht zurechtfinden, nicht mehr über ihre alten Späße. Insofern kommt der Brief vom Kasperleland recht: hier wird Peringel als König eingeladen, Bimlim ist eh zu faul und beide Kasperles reisen endgültig heim. Hier werden Kinder mit der Vergangenheit des Vergangenen konfrontiert, und Hoffnung auf Wiederkehr gibt es nicht. 

KK

Info

Erscheinungsjahr 1900 - 1940

Kommentare

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