
(ab 1913 | ca. je 120 S.)
Meinung
Svensson, Jon (1821–1869)
(Aus Wiki) Aufgewachsen in Island, stammte von Bischof Guðbrandur Þorláksson ab, der als erster die Heilige Schrift auf Isländisch drucken ließ. Die Eltern hatten acht Kinder, drei davon starben früh. Nonni verlebte eine glückliche Kindheit, die durch den frühen Tod des Vaters Sveinn Þórarinsson im Jahre 1869 endete. Der Mutter war es danach nicht mehr möglich, für sich und vier Kinder zu sorgen. In dieser Situation bot der französische Jesuit Marie-Albéric de Foresta an, dem begabten Jón eine Ausbildung in Frankreich zukommen zu lassen. Er hatte ein Programm gestartet, protestantischen Jungen aus Skandinavien eine höhere Schulbildung zu ermöglichen. Dieses Angebot war Teil eines Plans zur Rekatholisierung der nordischen Länder („Appell aux Missions boréales“), und zwei Jungen sollten aus Island kommen. Die Eltern der Jungen mussten vorab einer möglichen Konversion zum Katholizismus sowie einer etwaigen Berufung zum Priesteramt oder einem Ordensbeitritt zustimmen. Uff.
Im Jahr 1870, im Alter von 13 Jahren, verließ Jón Island mit dem Segelschiff Valdemar von Rönne;mdie Reise dauerte fünf Wochen. Den Winter 1870 verbrachte er in Kopenhagen bei katholischen Priestern, wo er das Ende des Deutsch-Französischen Krieges abwarten musste. In Frankreich besuchte er ab 1871 die École Libre de la Providence in Amiens und nahm den katholischen Glauben an. Manni folgte ihm 1873 nach Frankreich. Die Brüder schmiedeten Pläne, gemeinsam nach Island zurückzugehen, wo Nonni missionieren, Manni wiederum zu einer Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen beitragen wollte. Manni starb jedoch mit 23 Jahren an Tuberkulose. Jóns Obere erlaubten ihm nicht, zu seinem sterbenden Bruder zu reisen. Die Mutter wanderte 1876 nach Kanada aus, wo schon zwei ihrer erwachsenen Kinder lebten. Dort ging sie eine zweite Ehe ein und starb 1910 hochbetagt.
1878 wurde Jón Sveinsson in den Jesuitenorden aufgenommen und 1890 zum Priester geweiht. Während des Ersten Weltkriegs betreute er in Deutschland französische Kriegsgefangene. Schließlich kehrte Nonni nach Dänemark zurück, wo er 20 Jahre lang als Lehrer am Jesuitenkolleg in Ordrup Französisch, Altnordisch, Sport und Zeichnen unterrrichtete. Diese Jahre waren sehr schwierig für ihn: Seine deutschen Vorgesetzten zeigten kein Verständnis für seine schriftstellerische Tätigkeit, mit der er sich „schreibend aus der Einsamkeit in das Traumland der Kindheit“ versetzen wollte. Es wurde ihm sogar verboten, mit seiner Familie zu korrespondieren, da dies „Zeitverschwendung“ sei. Er fühlte sich als Außenseiter, und es wurde ihm auch nicht gestattet, seiner eigentlicher Berufung, Missionar in Island zu werden, nachzugehen. Wegen einer Gichterkrankung wurde er dann aber 1912 in die Niederlande versetzt, wo er – endlich! – auf Mitbrüder traf, die seine schriftstellerischen Ambitionen unterstützten. Viele Vortragsreisen in die ganze Welt machten ihn berühmt.
Cornelia meint:
Zwischen Eis und Feuer
Ich hatte mir dies Buch besorgt, um gegen die Telemann-Verwurstung von Nonni und Manni das Original vom Autor selbst kennenzulernen. Aber hier wird nur eine Reise beschrieben, die den Autor 15 Jahre nach seiner Abreise zum Studium nach Europa wieder mal heimführen sollte, obwohl von der Familie nix mehr da war. Und einer seiner Lateinschüler in Kopenhagen darf auch mit – dessen Eltern haben echt Nerven!
So gerät das ganze in einen Reisebericht mit vielen Abenteuern, hauptsächlich aber in einen Lobpreis von Land und Leuten. Ist ja auch alles schön, nur für Kinder und Jugendliche überhaupt nicht spannend, außer, wenn sie selbst schon vom Reisen träumen.
Nonni, Erlebnisse eines jungen Isländers von ihm selbst erzählt
Der in größter Freiheit aufgewachsene 12-jährige Halbwaise Nonni, der immer schon von der weiten Welt träumte, erhält (wie ein anderer Junge) die chance, der Einladung eines südfranzösischen Adeligen mit faible für Isländer zum Studium in Frankreich zu folgen. Aus Wikipedia erfährt man: Es geht um die Hoffnung, durch eine katholische Erziehung junger Hochbegabter Island dem Papst zurückzuführen, weshalb auch beide Familien einem Religionswechsel zustimmen müssen. Und es geht um die Armut der verwitweten Mutter, die ihre 4 Kinder nicht alleine durchbringen kann. Von alledem aber sagt/weiß der Erzähler-Junge nichts.
Das Buch über die Schiffsreise mit dem Segelschiff steckt voller Abenteuer. Stürme, Eisberge, Eisbären, Orkane, Krankheiten – sagenhaft. Aber zugleich voll subtiler Lebenserfahrung. Das ist nicht „für Kinder als Lesefutter mit bissel was zum Lernen“ gedacht, sondern kommt aus einem vielfältig Herzens-gebildeten Menschen, der zurückblickt und die für diesen in aller Freiheit mit Pferd und Hund aufgewachsenen Jungen beträchtliche Ambivalenz von Risiko und Gottvertrauen deutlich macht. Sorgen angesichts des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich, und die Frage nach der Haltung Dänemarks mitsamt der Gefahr von kriegerischen Handlungen gehören ebenso dazu wie die erste Begegnung mit der Moderne im Kopenhagen des 19. Jahrhunderts.
Ich weiß aus Wiki, dass Nonni Jesuit wurde, dann als Lehrer in Kopenhagen wirkte, wo er vor lauter Einsamkeit seine Bücher schrieb, für die man dort kein Verständnis hatte. Diese aber bringen ihm Ruhm, Vortragsreisen um die ganze Welt und endlich in Deutschland eine klösterliche Heimat zum Wohlfühlen. Ich bin von diesem Buch überaus begeistert.
GK *** und mehr
Nonni und Manni, neue Abenteuer auf Island
(Herder, 2008, hg. Und gekürzt von M. Stiefenhofer)
Dieses Buch beschreibt die Vorgeschichte zur Kopenhagenfahrt in den „Erlebnissen“, und man sollte sie auch vorher lesen. Es sind vier klar umrissene Abenteuer mit zunehmender Gefährlichkeit (Forellenfang, der gefährliche Nachmittagsritt, Nonni im Schneesturm und Nonni und Manni in Seenot) . Es ist auch für die kleinen Großen Kinder geeignet, wenn sie keine Angstträume kriegen. Auch hier besticht nicht nur das isländische Freiheitsleben, sondern auch das Ethos der Verantwortung beim Großen Bruder und das höchst erstaunliche Gottvertrauen der Mutter, die ihre Jungs – anders als die gestrenge Mutter von Andrei – weitgehend laufen und damit zügig erwachsen werden lässt. Die überbehütende Strenge lenkt nämlich die Aufmerksamkeit der Kinder von den realen Herausforderungen ab oder lässt sie falsche Entscheidungen treffen, um dem mütterlichen Zorn zu entkommen. Vertrauen hingegen stärkt. Naja, Kinder bleiben Kinder: Vor jedem Abenteuer unterdrückt Nonni warnende Vorzeichen, der Leser wird dadurch schon ins Zittern versetzt. Nun, glücklicherweise weiß man: irgendwie kommt er durch. Es ist eine Welt der Ungesichertheit, aber sie wirkt Erfahrung und Kompetenz. Das tut den Menschen gut.
Sehr verstimmend allerdings für einen Liebhaber originaler Dichterstimmen: die Glättungen und Kürzungen durch den Herausgeber. Der Forellenfang hat hier mit großen Buchstaben 24 Seiten, während er in Auf Skipalon (Herder 1928) in deutscher Steilschrift 47 hat, beim gefährlichen Nachmittagsritt stehen 31 gegen 56 Seiten. Man kann sich vorstellen, wie viel Details da verschütt gegangen sind. Verloren ist auch dieser bräisge Klang, die Art, in der Angesprochene das Gesprochene wiederholen und somit abbilden, wie behutsam sich Verständnis und Einverständnis entwickeln. Die Umsichtigkeit dieser Menschen wird darin sichtbar – und das alles fällt weg, wenn der gekürzte Fokus nur noch auf den Geschehnissen liegt.
GK ***
Über den Nonni-Film von G. Telemann
Dieser Autor hat Svensson-Werke zu einem Fernsehfilm verwurstet und so ist das Ergebnis auch. Für das Original siehe Svensson!
Nonni und Manni, die Jungen von der Feuerinsel.
Echt Film. Alles drin, was Island so in petto hat. Landschaft und die Tiere, okay, aber auch Eisberge, die von Grönland halb verhungerte Eisbären rüberbringen, Erdbeben mit Schlammlöchern, Schneestürme die Pferd und Reiter verschlingen, Wal-Rudel, die unter dem Paddelboot durchschwimmen, Nebel und ein großes Schiff, das die Kinder aus dem Wasser rettet (natürlich hat das Boot ein Loch gekriegt und füllt sich gerade), Höhlen mit Eingang unterm Wasserfall und Vulkane samt Lavaströmen. Dazu der Bösewicht Hansson, der Mama heiraten will, besonders dann, als Harald die Nachricht vom Tod des Vaters mitbringt, zwischendurch aber etliche Mordtaten plant, einige vollbringt und das alles dem Harald anlastet. Doch haben Großmutter und Amtmann einen klaren Kopf und so löst sich alles bestens.
Eine Mogelpackung, und da helfen auch die Tischgebete und der gute Pfarrer nicht.
Vielleicht für Lesemuffel unter den Jungs, – es ist wirklich sehr spannend… Ja und – direkt schädlich ist es auch nicht. Ich bin gespannt auf Svenssons Original.
GK
Info
| Erscheinungsjahr | 20. Jh., 1. Hälfte |
| Seiten | 100-300 |
| Autor | Svensson, Jon |
| Für Jugendliche: | Empfehlung |

Kommentar zu: Svensson, Jon – Nonni | Nonni und Manni | Zwischen Eis und Feuer, + Film.