Der Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen auf die russische Kirche hier im Westen - Deutschsprachige Orthodoxie

Es gehört nicht zu DOMs Aufgaben, politische Stellungnahmen zu entwickeln. Christen, auch wenn sie im Glauben einig sind, haben oft verschiedene Meinungen über die Weisen, in denen der Glaube sich im Leben auswirken sollte. Wir müssen dafür sorgen, dass solche Uneinigkeit nicht unsere kirchlich gebotene Liebe und Einmütigkeit beschädigt.

DOM bemüht sich um Einigkeit unter den orthodoxen Kirchen. Wir arbeiten über-diözesal, obwohl jedes Mitglied in seiner je eigenen Kirche daheim ist. Aber unser gemeinsames missionarisches Anliegen wird berührt, wenn eine unserer Kirchen aufgrund ihrer patriarchalen Zugehörigkeit in den Fokus der westlichen Kritik gerät.

Unsere Website hat schon einige Zeit, bevor ein solcher Krieg vorstellbar war, einen Aufsatz von Erzpriester Alexander Lapin über eine orthodoxe Militärethik veröffentlicht. Dieser Beitrag zeigt heute seine besondere Relevanz  (hier).

Aber in der aktuellen Lage erhält Vater Georg E-Mails von empörten Mitbürgern. Um nur ein Beispiel zu nennen, wurde kürzlich angefragt, was unsere Kirche in Deutschland und auch in Russland gegen den vom russischen Präsidenten unternommenen Krieg eigentlich unternehme. Es wurde auf die „verdammte Pflicht“ verwiesen, Lügen beim Namen zu nennen, die Bevölkerung Russlands über die wahren Sachverhalte aufzuklären, Putins Handlungen moralisch zu verurteilen. Es wurde verlangt, dass die russische Kirche, in Russland und anderwärts, den Präsidenten als „Mörder, Unmenschen, und unmenschlichen Machtmenschen“ brandmarken solle.

Wir zitieren nun Vater Georgs Antwort:

Sehr geehrter Herr …,

Ja Frieden und Liebe ist das Gebot der Stunde und nicht Hass.

Ich hoffe auf Ihr Verständnis, da ich erst jetzt antworte.   Die Kirche war seit Freitag-Nachmittag offen für Gottesdienste bis gestern Nachmittag.

Sie fragen, was tut die Kirche ?

Bereits am 22.02.22 haben sich die europäischen Bischöfe der Russischen Auslandskirche angesichts der Situation im Osten der Ukraine erklärt, noch vor der Invasion in die Ukraine:

Das Geschehen ist wesentlich komplexer. Wir werfen uns nicht zu Richtern auf, vielmehr wollen wir unsere Berufung als Diener der Kirche erfüllen und inständig um die Versöhnung der Menschenseelen „im ukrainischen Lande“ – „um die Besänftigung der Herzen“ beten, und zugleich, dass Weisheit geschenkt werde denen, die unmittelbare Verantwortung tragen für das Schicksal der Menschen in Europa, welches sowohl die Ukraine umfasst, als auch Russland mit Weißrussland. Dieses Zeichen haben wir durch ein besonderes Gebet für die Ukraine in der Liturgie gesetzt, an der Stelle des Gottesdienstes, wo einst jahrzehntelang das Gebet um die Befreiung von der gottfeindlichen Macht erklang.

Wir rufen alle auf – die mit Macht betrauten, ebenso wie die einfachen Bürger – sich zu besinnen auf die anstehende Große Fastenzeit. Mit den Worten des Evangeliums rufen wir auf: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe! (Mt 4:17) Kehrt um, denn die Zeit ist nahe! (Apok 22:10) Enthaltsamkeit ist geboten nicht nur im Essen und Trinken, sondern, vor allem, was sündige Gedanken und Leidenschaften angeht. Eine aufrichtige Hinwendung zu Gott wird die Welt vom Brudermord retten, wird Wege öffnen für friedliche Lösungen aller entstehenden Fragen.

Im Gedenken an die Worte des Großfürsten, des heiligen Alexander von der Newa – „Gott ist nicht in der Gewalt, sondern in der Wahrhaftigkeit!“ – rufen wir alle Gläubigen auf, die Gebete „um den Frieden der ganzen Welt“, für die Leidenden, für die Umkehr und Rettung der menschlichen Seelen zu verstärken.“

Quelle

Zu unseren Gottesdiensten kommen orthodoxe Gläubige aus vielen Ländern Ost- und Südosteuropa. Sie  sind betroffen und sorgen sich, wie sie ihren  Verwandten und Bekannten  helfen können.

Folglich ist die tatkräftige Nächstenliebe das Gebot der Stunde sowie das Gebet um Frieden

„Dass in uns ausgemerzt werden Hass, Neid, Bosheit und alle anderen Leidenschaften, die die Bruderliebe zerstören, und ungeheuchelte Liebe wiederhergestellt werde, lasst uns inständig beten zum Herrn!“

Quelle

Freundliche Grüße

Priester Georg Poloczek

Orthodoxe Kirchengemeinde Frankfurt am Main

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