Leseecke: Eine Rezension über "Die verlassene Generation" von Gabriele Kuby

GABRIELE KUBY mahnt in DIE VERLASSENE GENERATION nicht als Moralapostel vom hohen Ross herunter, sondern als Betroffene. Die Bestseller-Autorin zeigt auf, wie wir den Kindern das Lachen rauben und die nächste Generation dem Niedergang ausliefern. Dabei leuchtet im Hintergrund immer die Vision des rechten Lebens, für das sich jeder auch heute entscheiden kann…

Die verlassene Generation
fe-medienverlag
Kißlegg 2020, 17,80 €

„Ich bin hingerissen, bei meinen Enkeln zu erleben, wie das Leben neu beginnt. Hüten wir es, damit die Welt besser wird“, schreibt die Soziologin Gabriele Kuby und sorgt sich um die Zukunft der jungen Generation.
Anhand von erschütternden Fakten stellt sie dar, wie wir das Leben unserer Kinder beschädigen: Vom Nein zum Kind durch Verhütung und Abtreibung, über die künstliche Produktion von Kindern, die staatliche Kollektivbetreuung in der Krippe, die Sexualisierung in Kindergarten und Schule, die Smartphone-Epidemie mit Zugang zur Pornografie und die traumatischen Folgen von Scheidung.
Wir plündern nicht nur unseren Planeten, sondern zerlegen die Grundzellen unseres menschlichen Zusammenlebens. Eine
gefährliche Vermessenheit hat die westlichen Gesellschaften
erfasst: sein zu wollen wie Gott. Wir spielen Schöpfer und Richter, bestimmen, wer leben darf und sterben muss, und lösen so die natürlichen Lebens­bedingungen auf.

Cornelia hat das Buch für euch gelesen und eine Rezension für DOM verfasst.


Dieses Buch ist ein Augenöffner dafür, was wir Kindern antun, wenn wir ihre Grundbedürfnisse (drei Jahre Symbiose mit ihrer Mutter und das Aufwachsen in einer intakten Familie) dem Arbeitsmarkt und der Selbstsucht opfern. Dieses Buch ent-medikalisiert die sich häufenden seelischen Leiden und Behinderungen unserer Kinder: Es stellt den Stress in den Mittelpunkt, den elterliche Rücksichtslosigkeit verursacht.

Gabriele Kuby spannt den Bogen weit. Sie moniert die Verdinglichung menschlichen Lebens bei der künstlichen Befruchtung und medizinischen Forschung. Für unsere Webseite wichtiger sind aber ihre Ausführungen zur Elternschaft: Hier kann jeder mithelfen!

Das fängt mit unserer Einstimmung in die Gott-gewollte Zweigeschlechtlichkeit des Menschen an, geht weiter mit der Wertschätzung der Frau als zur Weitergabe neuen Lebens berufen, mit einer Kritik am Wahn der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ und der Psycho-Mode, die eigene Mutter stets von ihren Defiziten her zu betrachten. Das setzt sich fort mit Kritik an einer Medien-Öffentlichkeit die von Kinder-losen Journalistinnen dominiert wird und an einem Lebenszeit-Management, das berufliche Erfüllung in Konkurrenz zur Kinder-Begleitung setzt. Bei der Erinnerung an die Bedeutung von Macht-Verzicht und Dienst an anderen Menschen hört es noch lange nicht auf.

Manche Gedanken Kubys zu den Folgen von vorehelichem Geschlechtsverkehr (hier geht es um den Mord am Ungeborenen und, wo Kinder am Leben bleiben dürfen, um die Normalisierung ihres Aufwachsens ohne den biologischen Vater) sind uns orthodoxen Christen wohl vertraut; manche philosophischen, soziobiologischen oder auch Vatikan-theologischen Argumente (der Rückgriff auf Aristoteles, die Beschränkung der Kritik auf nur die künstliche Verhütung) erscheinen uns befremdlich. Das mindert aber nicht den Wert dieses Buches: Auch für die Autorin bleibt das Kreuz zentraler Bezugspunkt, und von ihrem soziologischen Scharfblick können auch Orthodoxe lernen: Eindrücklich beschreibt sie die Routine vorgeburtlicher Diagnostik, die Eltern zu eigenmächtigen Entscheidungen über Tod und Leben zwingt, die Unverzichtbarkeit einer sicheren Mutterbindung (und das heißt: einer stabilen, sensibel interaktiven Präsenz der Mutter) für die Entwicklung des kindlichen Gehirns, die Bedeutung des elterlichen Zeit-Habens für die gesunde Entwicklung während der ersten drei Lebensjahre, die Herausforderung einer richtigen Balance zwischen Schutz und Loslassen in der Folgezeit wie auch zwischen Sorge und vertrauensvoller Zuversicht in der Pubertät, – und für die Großeltern die hilfreiche Askese im „Schweigen-Schlucken-Schenken.“

Erschreckend, aber orthodoxen Eltern ebenfalls dringend zu empfehlen sind auch Kubys Analysen der von außen an das Kind herangetragenen Gefährdungen einer heilsamen Entwicklung: Kapitel 6 richtet hierzu das Augenmerk auf die feministisch-sozialistische Kinderkrippen-Offensive zur Entfremdung bereits ganz kleiner Kinder von ihren Eltern (also ihre „Emanzipation“ von elterlicher „Bevormundung“ und auf den toxischen Dauerstress, den das für die Kinder bedeutet. Kapitel 7 erhellt die durch solchen Stress bewirkte Empfänglichkeit für Sexualisierungs-Programme  bereits im Kindergarten, die gezielte pädagogische Verunsicherung der Mütter, die letztere verführbar macht für verfrühte Angebote professioneller „Bildung,“ und auf den Mangel an Geschwistern, der das kindliche Miteinander an fremdbetreute Gruppen verweist.“ Kapitel 8 beschreibt die schulische Indoktrination in „sexueller Vielfalt,“ die damit verbundene Zerstörung von Identität und Schamgefühl und die politische Instrumentalisierung von Familien-feindlichen „Kinderrechten.“ In  Kapitel 9 geht es um staatliche Übergriffe auf die Eigenverantwortung von Eltern, in Kapitel 10 um die Risiken eines verfrühten digitalen Medienkonsums, in Kapitel 11 um die „Schändung der Kinderseele“ durch Pornografie und in Kapitel 12 um das „unblutige Kinderopfer“ bei Scheidungen.

Die Lektüre tut weh. Wie in jedem geistlichen Werk findet der Leser sich ertappt, vor sich selbst (auch in den eigenen Kindern) bloßgestellt. Kein Erwachsener, der nicht als Elternteil, Verwandter oder Freund von Eltern, als Erzieher oder Lehrer, unbeteiligt geblieben ist durch sein Handeln oder Nichthandeln, sein Wegsehen oder Kleinreden, am Leid der Kinder. Ärger noch: was wir bei unseren Kindern (oder denen, die von unserer Mithilfe abhängen) an Förderlichem versäumt und an Bösem zugelassen oder nicht verhindert haben, wird sich auswirken auf die Weisen, in denen unsere Kinder in der folgenden Generation erneut Gutes versäumen und Schlechtes zulassen: Denn wie sollen Menschen, die selbst keine Geborgenheit erfahren, keine Harmonie zwischen den Eltern, keine moralische Integrität, kein Schamgefühl, keine Opferbereitschaft kennenlernen durften, ihren eigenen Kindern schenken was deren leibseelisch heiles Aufwachsen fördert?

Gabriele Kubys Buch ist mit analytischer Klarheit und heißem Herzen geschrieben. Ihm sind viele Leser zu wünschen!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.