
Meinung
Eine Serie autobiografischer Romane, auch bekannt durch die gleichnamige Fernsehserie.
Gesamtüberblick siehe Wikipedia-Link oben.
Cornelia meint:
Little House in Big Woods
Ein Klassiker der Pionier-Kinderliteratur. Wunderschön diese ganz ruhige Beschreibung des Lebens im Wald. Durchweg die Stimmung der Geborgenheit, denn die Mutter macht Butter und Kuchen und Fleisch, und der Vater erlegt Bären auf den ersten Schuss (denn für einen zweiten gäbe es keine Zeit mehr). Die ältere Schwester tut sich groß mit ihren blonden Locken, da gibt es Schwestern-Neid, aber der bleibt erträglich. Harte Arbeit, hartes Leben, die Gefahr stets um die Ecke, eine enorme Tüchtigkeit. Erschreckend nur der puritanische Rigorismus: Am Sonntag darf man nur sitzen und fromme Bilder angucken, sonst gar gar nichts. Alle baden Samstag abend und sind sauber für die Heiligkeit. Kirche gibt’s nicht. Immerhin liest Mama Bibelgeschichten. Aber für den Rest des Tages: schwarze Langeweile. Enorm was aus derart unter-stimulierten Kindern werden konnte!
Meine Kinder konnte ich damit nie fesseln, aber meine Siebenjährige Enkelin fährt voll drauf ab. Gemein, dass in der deutschen Ausgabe die Bilder fehlen. Die kopiere ich jetzt rein!
KK
Kleines Haus in der Prärie
Hier habe ich mir gleich die deutsche Übersetzung geholt. Wenn das Haus im Wald ein sehr stilles Leben darstellt mit vielen Einzelheiten zum täglichen (Über-)Leben, überschlagen sich hier die Nahtoderfahrungen. Es ist unfassbar, mit welcher Chuzpe dieser Pionier-Vater seine erschrockene Frau mit Planwagen über den großen See fährt, genau einen Tag, bevor dessen Eis zu kracken beginnt, wie er das ganze Gelerch mit schwimmenden Pferden durch den Fluss bringt, dann bei Wolfsgeheul rund um das Blockhaus (mit Vorhang als Tür) die Nerven behält, die z.T. räuberischen Besuche von Indianern während seiner Abwesenheit entspannt akzeptiert („diesmal ist es ja noch gut gegangen“) und dann abends behaglich auf der Fiedel spielt. Und unfassbar, mit welcher Geduld die tüchtige Hausfrau sich traumatisieren lässt und dabei den drei kleinen Mädchen stets das Gefühl beschützter Sicherheit schenkt. Am Ende muss die Familie einer neuen Regierungs-Entscheidung weichen, die die weißen Neusiedler aus dem Indianergebiet vertreibt.
Bewunderungswürdig übrigens, mit welch humanem Verständnis der Vater mit den Indianern umgeht, während Mama die einfach bloß weghaben will, denn jetzt kommen wir Weißen. Die Familie wird nicht abgeschlachtet, weil der Chef der Osages mit dem Vater gegessen und geraucht hat. Dieser berühmte Führer droht seinen Volksgenossen mit Krieg, wenn den Weißen was passiert. Zumindest unter damaligen politischen Bedingungen ein Zeichen der Weitsicht, denn im nahen Independence liegen schon die Soldaten bereit.
Wir haben immer die englische und die deutsche Ausgabe vor Augen gehabt, weil die englische bessere und mehr Bilder hat als da süßliche Zeugs des Rudolf Trauner Verlags (Lizenz an Bertelsmann). Dort aber fehlen 9 ganze Kapitel, und mindestens in einem Kapitel (Papa weg, Indianer kommt und klaut Tabak und lässt sich von Mama bekochen) ein entscheidendes Element: das Verbot des Vaters, den Hund von der Kette zu lassen. Ohne dieses Verbot bleibt unklar, warum die Mädchen Jack nicht befreien, damit er Mama und Baby im Haus beschützt. Und auch in anderen Kapitel fehlen viele Details, z.B. über die Herstellung des Schaukelstuhls, – also gerade, was diese Bücher so interessant macht. Und überhaupt ist der ganze Text von Anfang bis Ende zurechtgestutzt. Offenbar traute man heutigen Kindern den Detailreichtum des Originals von 1935 nicht mehr zu, und den Vorlesern nicht mehr die Fähigkeit, auszulassen, was das Kind überfordert. Ich bin also darauf angewiesen, für meine 7-Jährige das englische Original beim Lesen zu übersetzen, was immer ein wenig mühsam bleibt.
Ich habe mir dann die Überreuter Lizenzausgabe besorgt. Die ist immerhin vollständig, dafür ganz ohne Bilder, und die Übersetzung ist genauso trostlos. Man fragt sich: wie ernst werden Kinder genommen!
Fazit: Nur das englische Original „bringt“ es.
KK, 3 Sterne
Laura und ihre Freunde
Die Familie zieht um und verbringt einen Winter in einem Erdhaus, also unterirdisch. Gefahren mit der Stabilität der Gras-Decke. Die Herde, bei der die eigenen Rinder mit-weiden, Opferbereite Nachbarn und endlich eigene Pferde, Hochwasser, Hausbau. Alles auf Pump, denn man rechnet mit einer prima Ernte. Das mit Lauras Freunden gerät ambivalent, denn als „Landmädchen“ sind Mary und Laura im Ort erstmal nicht viel wert. Man hat also neben Freundinnen und auch eine Feindin zu verkraften. Dazu Schule, Sonntagsschule- und dann eine biblische Katastrophe nach der anderen: Grauenvoll die Heuschreckenplage, – da ist die Ernte hin hin. Vater muss sich im Osten als Arbeiter verdingen und die Familie sich allein durchhelfen. Die unfassbar tapfere Mutter sorgt dafür, dass kein Gejammer aufkommt. Und das unter weiteren Prüfungen: Ohne Vater kann man nicht mehr in die Stadt, keine Schule, keine Kirche mehr besuchen. Hitzewelle und kein Futter für das Vieh, kein Wasser. Immer das Warten auf einen Brief vom Vater. Dann der große Regen. Vater kommt heim zu Weihnachten Und wieder muss er fort zur Arbeitsstelle. Mit Nachbars Hilfe überstehen sie alle einen Prärie-Brand. Knapp. Schneesturm und die Kinder sind allein zu Haus. Buchstäblich durch ihre Eigen-Initiative retten sie das Überleben der Familie, indem sie alles bereits geschlagene Holz rechtzeitig von draußen noch hereinbringen. Ständig mehr Schneestürme. Vater überlebt 4 Tage in einer Schneehöhle. Also eine Beinah-Katastrophe jagt die andere. Die Beschreibungen sind auch wieder nachlässiger. Trotzdem ein gutes Buch, um Tapferkeit zu lernen und auch Gottvertrauen.
KK auch mit 2 Sternen
Laura am Silbersee
Hier beginnt eine neue Dimension des Daseinskampfs: Die Familie hat unter Scharlach gelitten, Mary ist darüber blind geworden. Laura muss für sie mit-sehen: alles beschreiben, was sie sieht. Auch öffnet sich für sie eine Zukunft, in der sie nicht wird tun können, was sie möchte. Vielmehr wird sie auf Wunsch der Mutter und aus Liebe zur Schwester ihr Geld als Lehrerin verdienen, um Mary die Blindenschule zu finanzieren. Der Vater ist nicht mehr zufrieden mit dem Land am Pflaumenbach: die letzten Ernten waren nicht gut und es gab kein Wild mehr zum Jagen. Da erscheint Tante Docia und bietet eine Stelle beim Eisenbahnbau. Das bringt nicht nur dringend benötigtes Geld ein, sondern er kann dann schon vor Ort ein wiederum neues Land aussuchen, das die Regierung den Siedlern nach dem Rauswurf aus dem Indianerland zur Verfügung stellt.
Neu ist auch die heftig beginnende Zivilisation. Sehr willkommen durchaus als Eisenbahn, und faszinierend die Beschreibung der Art, wie sie gebaut wird. Aber da treten dann auch üble Typen auf, und hier begegnen die Kinder einer neuen Form von Lebensgefahr, die von Dummheit und Bosheit der Menschen ausgeht. Glücklicherweise wird die Familie stets von irgendwelchen ex machina auftauchenden Gutmenschen knapp gerettet, Vater nimmt alles locker, die Mutter, inzwischen mit neuem Baby auf dem Arm, das letzte ist schon recht groß, japst unhörbar. Im Eisenbahnlager trifft man wilde Cousins und soll sich von allen Männern fernhalten. Dann aber ist die Arbeit so anspruchsvoll, dass Vater nicht dazu kommt, sein Land auszusuchen. Man wohnt eh erst in einer Baracke am Lager und am Ufer des Sees. Zur Winterszeit reisen alle Arbeiter ab, die Familie darf warm in einem Steinhaus der Vermesser wohnen, voller Vorräte und Kohlen. Das Überleben in der Einsamkeit ist erstmal gesichert. Freunde, Weihnachten, Treffen mit einem Wolf geht auch gut aus, und bei seiner Verfolgung findet Vater endlich das Land, das er sich überschreiben lassen will. Auch das klappt nur knapp, denn es kommen im Frühjahr immer Leute, die das Haus als Gasthaus ge- und miss-brauchen, weil sie die hier entstehende Stadt bewohnen wollen – Gastfreundschaft wird erwartet. Die Familie kocht und kann wieder ein wenig dazuverdienen. Endlich der Umzug in die neue Farm, die aus dem Boden gestampft wird. Ein neues Zuhause.
KK mit zwei Sternen.
Laura und der lange Winter
Dies ist ein Buch über ein wiederum noch viel knapperes Überleben. Ein alter Indianer hat einen 7-monatigen Winter vorausgesagt, darum zieht man zurück in das steinerne Stadthaus. Draußen das Blockhaus kann die Kälte nicht abhalten. Aber trotz allen Mühens geht es dort, inmitten der anderen Stadtbewohner, langsam langsam aufs Verhungern und Erfrieren zu. Sehr knapp wird das abgewehrt wird, weil der junge Almanzoo (später der Mann Lauras) mit dem jungen Cap in die Schnee-Prärie-Wüste reitet, um dort den einen Mann finden, von dem ein Gerücht sagte, er habe noch Weizen. Den müssen die beiden dann allererst dazu kriegen, ihnen was zu verkaufen. Und dann der Heimweg mit Ständig bis zu den Ohren in Schneelöchern einbrechenden Pferden. Erschütternd die Tapferkeit und Tatkraft dieser Pioniere in den Monaten, in denen kein Zug mehr Lebensmittel bringen kann. Die Rettung kommt gerade noch rechtzeitig, denn durch das lange Hungern, die Kälte, die Angst und die Untätigkeit sind alle schon physisch und mental am Ende. Nur die Eltern halten die Moral aufrecht – mit ihrem Gottvertrauen. Schwere Kost für Kinder, aber lohnend.
KK drei STerne
Farmer Boy
Während der erste Band im Spannungsfeld von Gefahr und Sicherheit, und auch von Strenge und Fröhlichkeit (Musik, Geschichten) spielt, sind in diesem wiederum wunderschönen Buch auch moralische Herausforderungen zu bewältigen. Interessant auch die Stellung, die die Brüder zum Fortschritt einnehmen: Royal will als Ladenbesitzer ein leichtes Leben mit gutem Verdienst sichern, Almanzo schlägt das Angebot des Wagenbauers zum Handwerder-Werden aus, um Bauer zu bleiben: ein hartes, aber unabhängiges Leben mit Tieren und dem Leben aus Eigen-Produziertem. Da geht es auch um harte Kämpfe: der Lehrer muss sich gegen die Rowdies durchsetzen (Büffelpeitsche) und Almanzo wird immer wieder von Vettern oder Stadt-Jungs auf den Pfad des Ungehorsams dem Vater gegenüber gelockt, wobei er sich wacker durchkämpft. Eindrucksvoll die Erziehungsweise des Vaters: eine entschiedene Grund-Strenge (Kinder reden nur wenn gefragt), aber als der Sohn auf Anstiften anderer um einen Nickel für Limonade bittet, gibt er ihm genug, um ein Schwein zu kaufen und rät ihm, den Wert des Geldes genau zu bedenken: Limo – oder ein eigenes Tier? Und auch bei der Aufgabenstellung überlässt er den Sohn seiner eigenen Lernfähigkeit: Das Ochsengespann versinkt im Schnee, wenn man zu viel Holz geladen hat und kippt in den Graben, wenn man nicht aufpasst. Der Vater lässt ihn machen, guckt nur zu, ob er sich bewährt. Und am Ende wird der sehnsüchtigste Wunsch nach einem Fohlen erfüllt. Herrlich!
KK 3 Sterne
Info
Erscheinungsjahr | 20. Jh., 1. Hälfte |
Seiten | 100-300 |
Autor | Ingalls Wilder, Laura |
Für Jugendliche: | Empfehlung |
Kommentar zu: Ingalls Wilder, Laura – Unsere kleine Farm.