Beichte – Umgeisten zwischen Routine, Scham und Schuld (-gefühlen)
Auch in diesem Jahr war unser Treffen reichlich gesegnet und eine Freude für alle Teilnehmer. Das lag natürlich ganz wesentlich an der Bereitschaft der Referenten, die Mühen des Redenschreibens und der Reise in ihren sonstigen priesterlichen Verpflichtungen unterzubringen, die ja – abgesehen von Familie und Berufstätigkeit – sowieso schon mehrere „Leben“ in Anspruch nehmen. Da gab es frohes Wiedersehen mit Rednern früherer Tagungen (Vladyka Hiob aus Stuttgart, Vater Mikhail Rahr aus Weimar, Priestermönch Athanasie Ulea aus München und unserem DOM-Vorsitzenden, Vater Stefan), insbesondere auch mit Vater Alexej Lemmer, der für den erkrankten Vater Vladislav Dikhanov einsprang und innerhalb einer Woche das gewaltige Thema in ganzer Bandbreite für uns vorbereitete.

Eine besondere Freude bereitete auch das Kennenlernen neuer Vortragender: Vater Dimitrij Svistov aus Saarbrücken, Vater Alexey Rodionov, der erst kürzlich aus der Ukraine nach Frankfurt gekommen ist, und Vater Ispas Ruja aus Dortmund. Es gehört zu DOMs pan-orthodoxem Anliegen, auch die Priester verschiedener Diözesen, die ja normalerweise innerhalb ihrer eigenen Kreise bleiben, überregional miteinander ins Gespräch zu bringen.
Nach Vater Justins Einleitung über das „niemals auf Erden endende Mühen um die metanoia“ und Vater Stefans Eröffnung (und später auch Vortrag) zur Notwendigkeit geistlicher Väter wurden in schöner Offenheit (besonders von Vater Mikhail) die Probleme erörtert, die sich für Beichtkinder wie auch Beichtväter aus der Spannung zwischen der Ehrfurcht vor der Heiligen Kommunion, auf die wir uns „würdig“ vorbereiten sollen, und dem Zeitmangel besteht, der die Beichte zu einer eiligen „Zettelwirtschaft“ mit Sündenlisten verkommen lässt. Der erhoffte Nutzen, also das Umgeisten der gesamten Lebensform der Beichtenden, kommt dabei zu kurz. Große Betonung legten alle Referenten, besonders aber Mutter Andrea, auf das Loskommen von der Konzentration auf die eigene Sündhaftigkeit und die Ausrichtung auf die Zukunft in der Nachfolge Christi. Der uns dargereichte „Stoff“ war immens. Im Gedächtnis blieb mir Vater Dimitrij’s Gedanke, dass wir mit unserer von Gott verliehenen Kreativität auch uns selbst für unser Jenseits in ein Kunstwerk verwandeln sollen, dass wir bei Verfehlungen SOFORT um Gottes Vergebung beten sollten, und Vater Alexej (Lemmers) Erinnerung daran, dass wir nicht bereuen, um Gott umzustimmen, sondern weil Er schon immer Selbst auf uns zugekommen ist wie der Vater auf den verlorenen Sohn. Vladyka Hiob betonte die Zukunfts-Orientierung jeder Beichte auf eigenverantwortliche Änderung hin und Vater Alexey (Rodionov) legte die Implikationen der verschiedenartigen Reue von Judas und Petrus aus. Am Samstag-Abend berichtete Vater Ispas von seinen Erfahrungen als Krankenhaus-Seelsorger. Wie gut, dass uns nun zum ersten Mal alle Referenten eine video-Veröffentlichung ihrer Vorträge erlauben. So warten wir nun ungeduldig darauf, dass Nico dieses Mammutwerk (8 Filme) stemmt, um uns eine persönliche Nacharbeit und den an der Teilnahme Verhinderten ein spätes Dabeisein zu ermöglichen.

Eine wesentliche Grundlage für den Segen, der unser Treffen begleitete, lag natürlich in der Einsiedelei, in den Gottesdiensten, an denen wir teilnehmen konnten, im Gebet und der tatkräftigen Unterstützung durch die monastische Gemeinschaft dort, sowie in der Gastfreundschaft der umliegenden Freunde des Klosters. Photini hat gemeinsam mit Mutter Lioba die ganze Organisation glänzend bewältigt. Ihnen allen gebührt unser großer Dank. Und der erstreckt sich auch auf die wunderbare Hilfsbereitschaft aller Gäste beim Wasserholen aus der Gottesmutterquelle und beim von Elena wirksam angeleiteten Abwaschen.
Und wie immer ist es ein Erlebnis, mit den neuen Tagungsgästen ins Gespräch zu kommen, über ihren Weg zur Orthodoxie zu erfahren und mit bekannten DOMniten Wiedersehen zu feiern. Die „Jugend“ (inclusiv auch für Ü-70er) hat am Samstag Abend nach Vigil und anschließendem (!) Abendessen noch lange zusammengehockt.
Auch der Tagungs-Sonntag brachte nach der Liturgie, die Vater Athanasie gemeinsam mit Vater Justin feierte, mit des ersteren psychologischen Hintergrund-Informationen über wahre und falsche Schuld- und Schamgefühle, der „monastischen (aber eben nicht nur monastischen!) Perspektive“ Mutter Andreas über das Vorbild des Gottmenschen Christus für unser eigenes Leben und dem Abschluss-Akathist für den Heiligen Erzengel Michael letzte Höhepunkte. Jedenfalls war Elena hoch zufrieden mit den sanglichen Qualitäten all derer, die sich mal fix vom Blatt auf dies Abenteuer einließen. Reden ist gut und schön, aber wir müssen unbedingt alle mehr gemeinsam singen!
Unabhängig davon: Nach der Tagung ist vor der Tagung: Wir denken im Vorstand über ein neues Thema für #8 in 2027 nach. Anregungen und Wünsche prospektiver Teilnehmer sind willkommen!
CH


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